Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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verfallen wird? Fürwahr! Ich weihe diese Locken dem Himmel! „Da erhvbiM^ mich — erzählt Simon der Gerechte weiter — küßte den Jüngling auf die', und sprach zu ihm: Solche Nasir möge es Viele geben in Israel, und sol meint auch die Schrift, wenn sie sagt: „So Jemand ein absonderliches Gell tut, als Nasir enthaltsam zu sein für den Ewigen." (Das.) Der Mann im idealen Geiste des Talmud hat ferner einen leb«chige»f Gemeinsinn. Einst warf ein Mann Steine aus seinem Grundstücke auf die Straße^« Törichter! rief ihm ein Chassidäer zu, warum wirfst du Steine von einem Gebiete, ' das nicht dein ist, auf ein Gebiet» das dir gehört? — Der Angeredete hielt de» Mahner für einen Wahnwitzigen. Da kamen schlechte Zeiten, und der Manu sich i stch genötigt, sein Besitztum zu verkaufen. Wie er nun auf der Straße an seine». ehemaligen Gute vorüberging, da strauchelte er über die Steine, die er dorthin ge» warfen, und zerknirscht sprach er: Wie Recht hatte jener Chassidäer, daß ich einem fremden Gebiete in das eigene Steine geworfen! (Baba Kamma 50.) | Gibt es eine geistreichere Veranschaulichung der Wahrheit, daß deS Menscheneigenes Heil im Heile der Allgemeinheit am festesten begründet ist? : Aber nicht nur infolge der Erwägung, daß schon eine vernünftige Selbst»? liebe gemeinnütziges Streben fordert, sondern selbst in der sicheren Voraussicht, " daß man sich allerlei Unzuträglichkeiten aussetzt, soll man dem Gemeinwohl p dienen bereit sein. Du sollst dich nicht zu einem Ehrenamte drängen, sondern bescheiden zu» rückstehen aber — so heißt es in den Sprüchen der Väter — „wenn du siehst, daß kein Mann da ist, so bestrebe dich, ein Mann zu sein." Zur Zeit des Patriarchen R. Gamaliel gab es zwei so große Gelehrte in Palästina, daß man ihnen die Zahl der Tropfen im Meere zu berechnen zutraute Sie waren aber so bescheiden und lebten bei großer Rot in solcher Zurückgej heit, daß der Patriarch erst durch R. Josua auf sie aufmerksam wurde. Da tttfsie der Patriarch rufen mit der Absicht, ihnen Ämter zu übertragen, die sie aller Not überheben würden. Allein aus Scheu vor öffentlichen Ämtern folgten sie brr? Einladung nicht. Da lud sie der Patriarch noch einmal ein, indem er ihnen gleich sagen ließ: Meint ihr etwa, es gilt eine Herrschaft anzutreten, nein, einen Dienst gilt es zu übernehmen. (Horaj. 10.) So ideal faßte der Talmud jedes-? Amt auf, je höher, desto aufgabenreicher! Zu den schwierigsten und zugleich unerquicklichsten Ämtern gehörte» von jeher die. auf das Armenwesen bezüglichen. Denn hier heißt's, mit Scharfblick zwischen Würdigen und Unwürdigen unterscheiden, sich weder von roher feit auf der einen, noch von kriechender Unterwürsigkrit aus der anderen Seite in der gerechten Bemessung der Gaben beirren zu laffen. Verhielten sich nun etwa' lllchj Großen des Talmud ablehnend, wenn sie zu Armenpflegern ernannt wurden? Höre«