Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 274 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWWW MW was ihm der Räuber Um Mißbrauch erhoben werden konnte. R. Juda Einer, dem — 274 — ihn verhandelt wurde und zahlreiche Ankläger gegen ihn die Reihe an den Beamten, den vermeintlichen Verteidiger. mögest. Als nun übtr auftraten, kam endlich Dieser aber hob die wikdererhaltene Decke in die Höhe und sprach, es sei das Einzige, gelassen. Wehe^ riefen die Umstehenden, wehe über den Mann, dessen Verteidiger zu seinem Ankläger wird! So wird auch die fromme Übung, wenn sie mit Unsittlichkeit verbunden^ ist, statt eines Zeugnisses der Gottgefälligkeit, zum Zeugnis der Verdammnis. zu vermeiden, gab es eine Vorschrift, welche das Maß des Bardermögeus feststellte, innerhalb dessen allein ein Anspruch auf den Armenzehuten Nun befand sich unter den Schützlingen des Patriarchen nur noch ein Denar fehlte, um eine Baarschaft zu haben, die ihn unfähig gemacht hätte, den Armenzehnten ferner zu empfangen- Da wußte» ihm mißgünstige Genossen unter dem Scheine der Wohltätigkeit einen Denar in die Tasche zu spielen. Al« ihm nun der Patriarch wieder — wie immer — den Zehnten zuwenden wollte, da weigerte der Arme den Empfang mit dem Hinweis auf den erhaltenen Denar, Bitter bemerkte darauf der Patriarch: da haben wohl wieder jene Scheinheiligen, die den Ehrennamen „Pharisäer" in «Verruf bringen, ihre Hände im Spiele gehabt! Auf einen Wink des Patriarchen führte man den Hintergangenen in einen La len und veranlaßte ihn zu einer Ausgabe in Folge deren er den Zehnten wiederum annehmen durfte. (Jeruschalmi Pea 8.) Entsprechend diesem Haß des Talmud gegen alle rein äußerliche Frömmigkeit, ist auch seine Abreigüng gegen die Ascetik. Was will — fragt er einmal — die Schrift damit sägen: „Der Nasir bringe nach Ablauf seines Gelübdes ein Sühneopfer, ob der Sünde, die er begangen?" Welche Sünde hätte denn der Nasir begangen? Die Sünde, daß er auch dem erlaubten Genuß entsagt hat. Wenn nun schon derjenige, der nur dem Weingenuß durch ein Gelübde entsagt hat, ein Sünder heißt, wie vielmehr derjenige, der aller G müsse sich zu enthalten gelobt, der durch anhaltendes Fasten gottgefällig zu Handel 1 glaubt! (Nedarim 9.) Nur da, wo die Ascetik unmittelbar der Sittlichkeit dient, läßt sie der Talmud gelten- Folgende Erzählung wird die lautere Auffassung des Talmud hierüber am besten vkranschaulichen. Einst kam zu mir — erzählte der Hohepriester, Simon der Gerechte — ein schöngelockter und schönaugiger Jüngling mit dem Wunsche, ihn zum Nasir zu weihen. „Warum ttillst du — sprach ich zu ihm — dein herrliches Haar verderben?" — Ich we bete die Schafe meines Vaters — antwortete er — und wie ich einst Wasser schöpfte aus der Quelle, da trat mir aus deren Spiegel mein Bild entgegen, und i h fühlte, wie der Dämon der Eitelkeit sich meiner bemächtigen will. Da raffte ich mich zu dem Selbstvorwurf auf: Du Böser! Wie magst du stolz tun mit einer Welt, die nicht dein ist, mit dem, was einst der Verwesung tädtm mäm