Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 273 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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R. Elasar nahm selbst von dem Patriarchen kein Geschenk an» noch er dessen Einladung Folge. „Will der Patriarch nicht, daß ich lebe — ließ efe. ihm sagen — da es doch in der Schrift heißt: Wer Geschenke haßt, wird leben?*' (Das. 44.) Der Mann im idealen Geiste des Talmud hält ferner das gegebene Wort über alles hoch und ist selbst den verlockendsten Einflüssen gegenüber konsequent in seinen Überzeugungen. So rühmte man von R. Tabuth, daß er um alle Schätze der Welt ein einmal gegebenes Wort nicht zurückgenommen hätte. (Baba mezia 49.) Dem bereits erwähnten Akabja B. Mehallalel ward einst die Würde des Synhedrialpräsidenten angeboten, wenn er sich entschließen wollte, von einer, nach der Meinung der übrigen Synhedrialmitglieder wissenschaftlich unhaltbaren Ansicht abzustehen. Es ist besser, erwiderte er, daß man mich mein Leben lang eine« Irrenden nenne, als daß ich nur einen Augenblick als Frevler erscheine vor Gott, und man mir soll nachsagen können : Aus Ehrbegier hat er seine Überzeugung ge» opfert. (Edujoth .9.) Der Mann im idealen Geiste des Talmud ist auch fern von aller Schmeichelei, aller Schein-.und Werkheiligkeit. Rab. Jehuda sah sich einst genötigt, über einen bedeutenden Gelehrten» für eine bestimmte Zeit den Bann zu verhängen. Als nun später einmal der Rabbi, krank geworden, da kamen seine Freunde, um ihn zu besuchen, unter ihnen auch jener Gelehrte, den der Rabbi einst in den Bann getan. Wie nun der Ralchi denselben erblickte, lächelte er. Ist es nicht genug, rief der Gelehrte aus, daß du. mir jene Kränkung widerfahren ließest, daß du nun gar über mich lächelst? Ich lache nicht, erwiderte der Rabbi, um dir wehe zu tun, sondern nur aus Freude darüber, daß, wenn ich in bie‘ andere Welt komme, ich werde sagen können, daß ich selbst einem so großen Manne, wie du bist, nicht geschmeichelt. (Moed Katau 17.) - Ganz nach dem Vorbilde des Propheten eifert der Talmud an Hundert« von Stellen gegen jene sündhafte Frömmigkeit, die durch äußerliches Tun innere moralische Gebrechen zu bemänteln oder wett zu machen beflissen ist. — Wem ist derjenige zu vergleichen — fragt der Midrasch") — der zwar den für das - Laubhüttenfest vorgeschriebenen Palmenzweig kaust, aber mit geraubtem Gelbe kauft, einem Gelde, das auf unredliche Weise erworben worden? Er ist jenem Wegelagerer zu vergleichen, der, wie viele Andere auch einmal ein« Gerichtsbeamten ausgeplündert hatte. Endlich ward er gefangen genommen, und wie der Beamte davon erfuhr, eilte er zu ihm ins Gefängnis und versprach ihn^ ihn bei Gericht zu verteidigen, so er ihm seine Habe zurückgebe. Bei Gott, verficherte der Räuber, ich habe Nichts mehr davon als diese Decke, die du nehm« *) Wajikra rabba 30.