Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 272 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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mm MOP W«E'-^WUM — 272 — gründen, die sie, um n ihrem Forschen nicht stets gehindert zu sein, nicht immer aufs neue darlegen können — einem solchen Übelstande, dem man heute auf laugen Umwegen durch populär isierende Zeitschriften abzuhelfeu sucht, ward unter den Jüdeu der talmudischen Zeit sofort gesteuert, indem dem Vortragenden Fachgelehrten eine Art Dolmatsch zur S:ite war, der das Strengwissenschaftliche sogleich durch daS lebendige Wort auch!>em Laien mundgerecht machte. Natürlich waren zu solchem Dolmaetschtum zwar unterrichtete und rednerisch geschickte, jedoch nicht gerade Geister ersten Ranges ausersehen. Und ebenso wenig verwunderlich ist eS, daß manche dieser geistigen Handlanger sich für geistige Größen gehalten haben. Ein Solcher mag nun auch der Amora — das war der Titel dieser Dolmetscher — des R. Abbahu gewesen sein. Denn eines Tages redete die Gattin des Amora die Gattin des R Abbahu folgendermaßen an: „Du hältst wohl Deinen Gatten für größer als den meinen: ich a! »er sage Dir, nur die Gunst des Hofes verschafft ihm seinen Nimbus; mein Gatte ist ihm in Wahrheit gleich." Empört erzählte die also Angeredete die gehörte Bemerkung ihrem Gatten. Er aber beruhigte sie mit den Worten: „Laß gut sein, meine Liebe! Was liegt daran, ob ich größer bin oder er: genug, wenn durch mich und durch ihn der Höchste verherrlicht wird. (8otn 40.) Als einst derselbe Abbahu und N. Chijja, ein ihm ebenbürtiger Weiser, nach der gleichen Stadt gekommen waren, um dort Gastvorträge zu halten, da strömte alles Volk zu R. Abbahu, während um seinen Genossen nur ein kleiner Zuhörerkreis sich schaarte. R. Chijja trug nämlich einen schweren wissenschaftlichen Gegenstand vor, während R. Abbahu ein mehr volkstümliches Thema wählte. „Weißt Du — bemerkte Abbahu besänftigend gegen seinen verstimmten Kollegen — mit wem wir zu vergleichen sind? Mit Händlern, von denen der eine Kleinigkeiten, wie Nadeln und Faden,, kurz Dinge, die alle Welt braucht, der andere aber kostbare Juwelen, die nur seltene Liebhaber finden, feildietet. Wer wird mehr Zuspruch haben, dieser oder jener?" (Das.) Der Mensch iin idealen Geiste des Talmud ist ferner von edlem Ehrgefühl beseelt. Rab. Gidal hatte die Absicht, ein Grundstück zu kaufen; da kam ihm R. Abba zuvor. Bon R. Jizchak Napcha darüber zur Rede gestellt, beteuerte Abba, von der Absicht Gidal'S Nichts gewußt zu haben. So überlaß eS ihm! gebot der Äabbi. "Gern, erwiderte der Besitzer, jedoch nur geschenkweise, denn es ist der erste Feldkauf, den ich gemacht — es galt nämlich als ein böses Omen, solch erstes Erwerbnis wieder »zu veräußern. Geschenkweise aber wollte es R. Gidal nicht haben. Ebensowenig alter wollte es Jener behalten, weil eS der Andere vorher gewünscht, und so verblieb daS G nndstück Eigentum der Jünger des LehrhauseS. (Kidduschin 59.) R. Pinchas 81. Jair rühmte sich, nie auch nur daS Geringste von Jemand angenommen, ja, selbst vom Tische seines Vaters, seitdem er geistig mündig geworden, Nichts genof en zu haben. (Chullin 7.) J