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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-12-01 · Heft 12 (1.12.1903) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 12 (1.12.1903)
Date
1903-12-01
Page
Seite 271 (sequence 9)
Language
German
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271 Weg kommen, Sklaven zu schelten. Da ließ der Rabbi öffentlich bekannt mache»,, der Mann aus Nehardee sei selber ein Sklave; denn wer anderen einen M^l anhestet, trägt ihn in der Regel an sich selber. Da stürmte der Nehardeer zmn Rabbi und fuhr ihn an: Wie kannst du mich für einen Sklaven ausgeben? MH stamme vom Hasmonäischen Königshausc! „Ob du gleich von den Hasmonäern stammst — bedeutete ihm der Rabbi — so bist du doch ein Sklave- (Kidduschm?0,) Indes nur der Sklavenchorakter, nicht der Sklave, den das Geschick zur Abhängigkeit geführt, ward verachtet. Geradezu mit Liebe und Verehrung spricht der Patriarch Gamaliel von seinem Sklaven Tabi; er verkehrt mit ihm, wie'Nut einem Ebenbürdigen; er behandelt ihn im Leben und betrauert ihn, als er gestorben, wie einen Freund und Genossen. Seine Gesinnung und Bildung stellt ihn seinem Herrn vollkommen gleich, (Boraebatb 16. Joma 87. Sukka 20.) Ebenso genießt R. Jochanan Nichts, und wäre es das Beste und Seltenste, das er nicht mit seinem Sklaven zuvor geteilt, denn — spricht er mit Hiob — „Ist nicht auch er gleich mir geboren?" (Jeruschalmi Baba Kamma 8.)j Der Talmud kennt so keinen eigentlichen Hochgeborenen. Geboren sind alle gleich. Die Unterschiede von vornehm und gering entstehen erst durch haS, was der Mensch auf dem Posten, ans den ihm das Geschick gestellt, und angesichts der Pflichten, deren Erfüllung von ihm verlangt werden, aus sich selber macht- — Die Grundrichtung dessen, was wir den idealen Geist im Talmud genannt, die allgemeine Grundlage, aus der er hervorwächst, sie sind uns wohl durch daS Bisherige klar geworden. Lassen Sie uns nun noch aus einer Reihe weiterer Einzelheiten die Art erkennen, wie dieser Geist sich entfaltet, sich praktisch bewährt, sich gegenüber den mitunter schwersten sittlichen Aufgaben in sieghafter Höhe behauptet. Wir werden damit in Verbindung mit dem, was wir früher dargetan haben, ein ziemlich erschöpfendes Bild von dem Menschen, wie er so recht nach dem Herzen des Talmud ist, gewonnen haben- Der Mensch im idealen Geiste des Talmud, zeichnet sich auS durch Gesinnungsgröße, indem er gegenüber großen Zwecken alle kleinliche Empfindlichkeit zurückdrängt. DaS spiegelt sich schön in folgendem Berichte. Die Art der Belehrung in de» Hochschulen geschah nicht auf direktem, sonder« auf indirektem Wege. Der Meister trug nämlich zunächst den Gegenstand einem ihm zur Seite befindlichen Gelehrten vor, der dann das Vernommene in weiterer führung den Versammelten entwickelte und faßlich machte. Eine ganz vortreffliche Einrichtung: denn sie diente dazu, die Kluft zu Überdrücken, welche die Vertreter der strengen Wiffenschaft, die sogenannten Fachgelehrten, von dem großen Bolle trennte. Eine Erscheinung, wie wir sie besonders in unserer Zeit gewähren, dßß ganze Forschungsgebiete dem großen Publikum verschlossen bleiben, weil es gleichsam eine fremde Sprache ist, in der die Fachgelehrten reden — was wiederuM natürlich ist, weil diese Gelehrten ihre neuen Gedanken auf frühere Ergebniffe

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