Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 270 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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r 4!' mjijpi.i. .. j«'!!»», — 270 - — Mann von Bildung -— schön. Ist er von Bildung und Abkunst — noch besser. Rühmt er sich aber seiner Ahnen, und an ihm selber ist Nichts, so verzehre ihn dar 53.) Es klingt etwas hart, aber gereicht doch dem Talmud zur Ehre, denn es beweist, wie er auch einen Geburtsadel nur insofern anerkennt, als er immer auf's neue durch persönliches Verdienst, durch geistige Vorzüge sich dokumentiert. Aus dem gleichen Grunde verpönt auch der Talmud jeden NepotiSmuS, alle Protektionswirtschaft. Als der Sohn Akabja B- Mahallalel's in die Fremde gehen sollte und von seinem berühmten Vater ein Empfehlungsschreiben erbat, damit er um seiner Abkunst willen freundlicher ausgenommen werde und rascher vorwärts komme, da verweigerte ihm der Vater seine Bitte, indem er zu ihm sprach: Deine Taten werden dir das Vertrauen der Menschen erwerben, deine Taten es verscherzen. (Edujoth 9.) NichlAd elsb uefe, sondernadelige Tugenden sind dem Talmud die sichersten Urkunden vornehmer Avstammung. Die Meisten aus dem wahrhaft adeligem Geschlechte — sagt er — sind schamhaft. (Jeruschalmi Kidduschin 4.) Bon zwei Streitenden ist der, der früher zu schweigen versteht, aus edlerer Familie. (Kidduschin 71.) Der Talmud Dummkopf mit dem Stufe zwängen und ist wohl fern von jener anarchischen Gleichmacherei, die den Weisen, den Unfähigen mit dem Tüchtiges Leistenden auf eine keinerlei Rangunterschied, keinerlei Über- und Unterordnung anerkennen mag; der Talmud erkennt es wohl als ein Glück an, daß Tugend und Bildung durch glorreiche Betätigung in langer Geschlechterkette gleichsam Wurzel in einer Familie gefißt; der Talmud hält das Hochgefühl dessen nicht für unberechtigt, der, um mit dem Dichter zu reden: „Seiner Väter gern gedenkt, Der froh von ihren Tate», ihrer Größe Den Hörer unterhält, und still sich freuend Ans Ende dieser schönen Reihe sich Neschlossen sieht." Aber der Talmud erkennt kein blaues Blut a», d. h. keinen Vorrang lediglich auf Grund eines Stammbaums Das Recht dazu muß immer aufs neue errungen werden. „Wie kommst du zu denken, dein Blut sei röter als das deines Nächsten!" sprach einst ein Weiser zu Jemand, der an ihn die Frage stellte, ob er sich an dem fremden Leben vergreifen dürfe, weil ihn ein Mächtiger aufgefordert, einen Anderen zu töten, widrigenfalls er selber würde getötet werden. (Pefsachim 25 ) Einst kam ein roher, ungeschlachter Nehardeer in einen Metzgerladen zu Pumbadita und verlangte Fleisch. „Wart' ein wenig, ward ihm beschieden, bis der Diener des R. Juda B. Jecheskcel, des LehrhausvorsteherS, befriedigt worden." Wer ist Juda B. Scheweskeel, schrie der Nehadeer höhnend, daß er mir vorgehe? Durch dieses empörende Betragen auf ihn aufmerksam gemacht, erfuhr man, daß der Mensch überhaupt die Gewohnheit habe, diejenigen, die ihm irgend in den