Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2969669-2969975-2969987--7110-2977785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
das Beginnen einer neuen, besseren Zeit zeigen. Dann werden die Jude« Rumäniens nicht mehr an eine neue Heimat, im Osten oder Westen, denken. Nachdem Redner der durch die „3c«" in Galizien errichteten Darlehenskassen und der diesbezüglichen Parlaments-Bill gedachte, welche „trotz der groß«« Anstrengungen von gewisser Seite, dieselbe zu hintertreiben", durchgedrungen ist, behandelte er das „russische Problem", über welches er etwa folgendes sagt: Man hat Kischinew und Homel dafür ins Treffen geführt, daß das russische Problem in Rußland selbst nicht gelöst werden könne. 'Ich und mit mir sehr viele sind trotz Kischinew, dessen Bedeutung wir nicht unterschätzen, der Ansicht, daß die Hoffnung nicht ausgegeb^n werden darf, die Frage innerhalb der Grenzen des Landes zu lösen. Während wir aus der einen Seite jedem auftauchenden Emigrationsplane — und sollte er auch nur wenigen zugute kommen, wie zum Beispiel das Ostafrika-Projekt — die nötige Beachtung schenken, dürfen wir auf der an» u deren Seite nicht aufhören, alles aufzubieten, um die Lage der großen Masse zu i verbessern, welche — wenigstens noch für lange Zeit — gezwungen sein wird, in lj Rußland zu bleiben. Dies muß aus drei Gründen geschehen: erstens, weil eine ^»massenhafte Emigration mehr Schaden als Nutzen anrichten würde, zweitens, wen» wir auch annehmen, daß in den nächsten fünfzig Jahren jeder Jude aus Rußland nach Palästina oder Amerika ausgewandert sein wird, dürfen wir diejenigen nicht vernachlässigen, die diese Zeit in Rußland verbringen müffen und drittens müffen wir dafür sorgen, daß für den Fall einer „Änderung" der Verhältnisse in Rußland -die Juden vorbereitet seien. Wir dürfen nicht vergessen, daß in Rußland, außer in -Kischinew, noch andere jüdische Gemeinschaften leben, unter anderen Verhältnissen, wie in Kischinew» in /allen Schattierungen, „vom Grau bis zum tiefsten Schwarz". Diesen Gemein» > schäften muß durch Berbesserungsarbeiten geholfen werden. Sollte aber die Lösung des russischen Problems, meint Redner, nicht in Rußland selbst oder nur zuin Teile daselbst erfolgen können, so wird sich dieselbe, meiner Ansicht nach, nicht im Osten oder in einem Lande, welches, wenn es auch . jemals von der türkischen Herrschaft befreit werden sollte, bloß zum Gegenstände ' europäischer Eifersüchteleien werden müßte, sondern in der großen Republick jenseits - des atlantischen Meeres vollziehen. Hier ist trotz der gegenwärtigen erschreckenden ,! Überfüllung in New-Iork und der Schwierigkeiten, welche die massenhafte und hastige j Einwanderung der letzten Jahre verursachte, dennoch Grund auf Hoffnung für eine j bessere Zukunft vorhanden. Die Zukunft des Judentums und der Juden liegt , weniger in der alten als in der neuen Welt. Ich spreche nicht als egoistischer Engländer, der bestrebt ist, anderen eine Last aufzubürden, die er selbst zu tragt» nicht gewillt ist, nein, ich hoffe, daß England auch in Zukunft eine Zufluchtstätte I sein wird für diejenigen unserer Stammesbrüder, welche geeignet sind und es per» i dienen, innerhalb unserer Küste» ein Heim zu finden, aber die Vereinigten Staaten «