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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-11-01 · Heft 11 (1.11.1903) · p. Seite 257

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 11 (1.11.1903)
Date
1903-11-01
Page
Seite 257 (sequence 19)
Language
German
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Schule muß diese Erkenntnis wachhalten und fördern, daß es nicht an weiten Gebieten fehlt, auf denen den Angehörigen verschiedener Konfessionen ein gemeinsame» Wirken möglich und Pflicht ist, sodaß viel Gutes und Schönes unentwickelt bleiben und das Staatsinteresse gefährdet werden müßte, wenn die Erziehung der Jugend nicht pflegte, was uns eint, sondern vertiefte, was unser Volk auf religiösem Gebiet trennt. Ich vertraue, daß die königliche Regierung den beteiligten Kreisen, wo es etwa erforderlich sein sollte, die sorgfältigste Beachtung dieser Grundsätze zur Pflicht machen wird. — Moritz Levy, der bekanntlich im Verlauf der Konitzer Affäre wegen Meineids zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurteilt wurde, ist vom Kaiser begnadigt worden Bei den wiederholten Vernehmungen im Vorverfahren hatte Moritz Levy, der Sohn des von den Antisemiten des Mordes bezichtigten Fleischermeister Adolf Levy in Könitz, eidlich in Abrede gestellt Ernst Winter gekannt zu haben. Diese Aussage wiederholte er im September 1900 in der Gerichtsverhandlung gegen den ebenfalls wegen in der Konitzer Affäre gemachter falscher Aussage angeklagte» Präparanden Speisinger. Er blieb auch bei dieser Aussage, obwohl sich nachher etwa ein halbes Dutzend Zeugen fand, die Moritz Levy im Verkehr mit Winter gesehen haben wollten. Die Folge war, daß Moritz Levy in öffentlicher Gerichtssitzung verhaftet, unter der Anklage des wissentlichen Meineides vor da». Schwurgericht gestellt und von diesem am 16. Februar 1901 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Das Reichsgericht verwarf im Mai 1901 die eingelegte Revision. Die schwer betroffene Familie Levy mußte vor der antisemitischen Hetze aus Könitz nach Berlin flüchten. Die Aufführung Moritz Levy's im Gefängnis war eine geradezu niusterhafte, und wer feine Briefe an die Eltern gelesen, in denen er immer wieder über seine Feinde mit einer geradezu philosophischen Milde sprach, konnte sich der innigen Teilnahme an dem Schicksale dieses Mannes nicht erwehre». — Aus Anlaß des 100 jährigen Geburtstages Koschs fand am 4. Oktober in Königsberg ein von dem Kuratorium der Dr. Koch'fchen Waisenerziehungsanstakt arrangierter, würdiger Gedächtnisakt auf dem alten israelitischen Friedhof statt- Eine nach Hunderten zählende, aus Damen und Herren bestehende Festversammlung — darunter mehrere Magistratsmitglieder, Stadtverordnete, Deputationen von Institute» und Vereinen, die Repräsentanten der Synagogengemeinde, Vertreter der Freisinnigen Volkspartei, die Herren Dr. med. Friedländer und Stadtrat Michrlly, - die dereinst mit anderen, schon Heimgegangene» Mitbürgern als Tcstamentsvollstrekkr Koschs fungierten re. — hatte sich an der für diesen Tag in eine Gedächtniskapelle Uingemandelten Leichenhalle des Friedhofs eingefunden. In der stimmungsvollen Beleuchtung der Kerzen, von Lorbeer umrahmt, erschien hier das Porträt von Raphael Kofch, dessen schlichte, still ernste Züge das Bild des herrlichen MauiieS den Teilnehmern nock) eiunml ins Gedächtnis riefen. Mehr aber noch tat daS der ganze "Charakter der finnige» Feier; sie war ein Symbol für die Liebe, die Raphael Kosch in tausend Herzen gesät hat und die er »och heute allenthalben in der dank»

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