Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1903)
- Date
- 1903-11-01
- Page
- Seite 252 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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rüstet auf Len Kampfplatz treten. Der Alexandrinismns knüpfte darum gleich bei seinem Auftreten an die universalistischen Gedanken in der Bibel an und erblickte in den Propheten, den berühmtesten Vertretern der mosaischen Lehre, die* sie zeitgemäß ausgestalteten, und im Lichte einer zukünftigen, durch Bildung mit Wissen geläuterten Zeit erschauten, ihre Muster und Vorbilder. Auf ägyptischen Boden, wo Judentum und Hellenismus zum ersten Male auf einander stießen,, ist die Heimstätte der jüdischen Apologetik und hier beginnt auch deren eigentliche Geschichte, da es galt die väterliche Religion, die vielfach angegriffen wurde, zu verteidigen und gleichzeitig für sie! dadurch Propaganda zu machen. Daß die Juden schon in^ vierten vorchristlichen Jahrhundert in Beziehung zur hellenischen Bildung standen geht daraus hervor, daß nach dem Berichte des Peripatetikers Klearchos, in seinem Buche über den Schlc f, schon Aristoteles mit einem gelehrten Juden in geistigem Verkehre ftaub und von ihm rüh^it, daß derselbe nicht nnr der Sprache sondern auch dem Geiste nach, Hellene gewesen. Von Ägypten aus gingen zuerst Schmähungen gegen die Juden aus und ist Manetho als der erste zu nennen, welcher um die Mitte des dritten vorchristlichen Jahrhunderts in seiner griechisch geschriebenen ägyptischen Geschichte , Ägyptiaca" die Herkunft des jüdischen Volkes verunglimpfte,' und alle Übelreden gegen sie aus alter Zeit zusammenfaßte. In Alexandria erfolgte jene Umgestaltung des Judentums, durch welche es aus den Schranken seiner nationalen und politischen Abgeschlossenheit heranstrat, wodurch es eine große weltgeschichtliche Bedeutung erlangte. Es wurde von Aristobnl bis herab auf Philo und Josephus allen Ernstes behauptet, daß Pythagoras, Sokrates, Plato und die übrigen griechischen Philosophen ihre Lehre von Moses geschöpft hätten. Wird ja sogar Homer im Bezug auf seinen Namen als hebräisch bezeichnet und die Ilias als die Erzählung von der Eroberung Kanaans und die Odysee als die Beschreibung der Wanderung der Kinder Israel bis zum TodeMosis aufgefaßt. Der erste Apologet des Judentums war die Septuaginta, durch welche der Mosaismus auf griechischen Boden verpflanzt, sich umgestaltete, verjüngte und sich zum Vater der griechischen Philosophie emporschwang, so daß „Iaphet in die Zelte Sems einzog." Als ein vorzügliches Mittel der Apologetik stellt sich uns die Sibyllistik dar, welcher Form sich die Apologetik bedient, weil auf deren Orakel alle Welt lauscht und durch welche zugleich macht werden sollte. Propaganda für die jüdische Lehre in heidnischen Kreisen ge- Und so ist denn in der Tat die jüdische Sibylle aus einem apologetischen Bedürfnis hervorgegangen, durch sie sollte in der heidnischen Welt die Fahne des jüdischen Monotheismus ausgepflanzt und das herrschende Heidentum bekämpft werden. Die jüdische Sibylle steht auf dem Standpunkte, daß alle Menschen von Natur gleich seien und daß nur der harte Kampf ums Dasein die ursprünglich gute Natur verschlechteret Nur die Gier nach materiellem Besitz trage die Schuld an allem Unglück in dev Welt. Ihr galt darum das Streben nach Reichtum als die