Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1903)
- Date
- 1903-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Stelle anführe, welche das lebendige Jntresse und die bewunderungswürdige Schlagfertigkeit bezeigt, mit denen auch das zartere Geschlecht au dem geistigen Leben teilgenommen. Ein heidnischer Freigeist sprach einst zu dem Patriarchen Gameliel: Euer Gott ist ein Dieb, denn so steht geschrieben: Und der Ewige ließ einen tiefen Schlaf aus Adam fallen, nahm ihm dann eine Rippe und bildete daraus eine Frau. „Laß mich ihm entgegnen", bat des Patriarchen Tochter. Und als der Vater es erlaubte, sprach sie: „Ich möchte zunächst einen Polizeidiener zur- Stelle haben". Warum beim? fragte der Freigeist. „Räuber haben uns die Nacht überfallen, uns einen Kasten voll Silber genommen und dafür einen Kasten voll Goldes zurückge-. lassen." Ei, versetzte der Freigeist, möchten doch täglich solche Räuber kommen! „Und war nicht das Gleiche auch Adam geschehen? — rief die Jungfrau — Gott nahm ihm eine Rippe und gab ihm dafür ein Weib!" Schon gut, fuhr der Freigeist fort, der Tausch konnte ja Adam sehr willkommen sein. Allein mußte das ver* st ob len er Weise geschehen? „Bringt mir, gebot nun die Jungfrau, ein roheS Stück Fleisch!" Und als man es ihr gebracht, legte sie es zwischen glühende Kohlen, zog es dann hervor und forderte den Freigeist auf, sogleich, wie es eben war, zu. essen. Das kann ich nicht, meinte er, es widerstrebt mir. „Ganz so, erwiderte die Jungfrau, wäre es Adam ergangen, wann er seine Frau nicht erst in vollendeter Schöne, sondern schon als Rippe geschaut hätte." — (Sanhedrin 39.) Die glühende Liebe, welche Lehrer und Schüler zu der erhabenen Welt der Ideen hinzog, sodaß sie Alles um sich her vergaßen - sie hat in folgender Schilderung ihren hochpoetischen Ausdruck gesunden. — R. Jochana C. Sakkai ritt einst durch's Feld und sein Jünger Etasar B. Arach begleitete ihn zu Fuß. „Gewähre mir doch," bat der Jünger, „einen Einblick in jene höhere Weisheit, welche Gottes Wesen und Weltleitung zum Gegenstände hat!" Haben nicht die Weisen gelehrt — erwiderte der Meister — daß nur die in ihrem Denken Gereiften und Gefestigten mit diesen geheimnisvollen Dingen sich befassen dürfen? „So gestatte mir wenigstens — fuhr der Jünger fort — vor dir zu wiederholen, was ich von d ir darüber vernommen." Es sei! Und der Jünger begann zu reden, und der Meister stieg von seinem Tiere, um nicht reitend die erhabenen Gedanken mitanzuhören. Und wie sie nun beide unter einem Baume sich niedergelassen, und der Jünger immer hinreißender, immer begeisterter sprach, da kam ein Feuer vom Himmel und umringte sie, und die Engel des Himmels umschwebten sie in heiligem Chor, und einer der Engel rief zustimmend: So ist's, Eleasar, tuie du gesagt, worauf alle Bäume ringsum ihre Häupter neigten und ein Loblied anstiwmten für den Herrn. Da erhob sich der Meister und küßte den Jüngling und rief: Heil dir, Abraham,' daß ein Solcher dir entsproß! Gar treffliche Redner gibt es, die aber nicht ebenso trefflich handeln, gar trefflich Handelnde, die aber der Gabe ermangeln, die Gründe ihres Tuns Anderen darzulegen; in dir Eleasar, sind beide Borzüge vereint! (Jeruschalmi Chagiga 2.) (Schluß folgt.)