Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1903)
- Date
- 1903-11-01
- Page
- Seite 246 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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246 sprüchen dieser Weisen eigen ist. Sie stehen im praktischen Lebensgewühle selber und schöpfen Erfahrungen aus der Quelle; gleichwohl haben ihre Lehren Nichts von dem Erdgeschmacke eines groben Realismus, denn sie sind geläutert und veredelt durch edle, selbstlose Forschung. Der reine, alles Andere hintenansetzende Eifer für den Unterricht der Jugend kann durch Nichts drastischer veranschaulicht werden, als durch solgende komische Erzählung. R. Josua b^n Leoi hatte es einst so eilig, sein Söhnchen in die Schule zu führen, daß >r, um nicht bloßen Hauptes über die Straße zu gehen, statt der üblichen Kopfbedeckung,' die er nicht gleich fand, sich eines beliebigen Tuches als einer Kopfbedeckung bediente. „Wie kannst du dich nur so weit vergessen, redete ihn der ihm begegnende jR. Chijja B. Abba an? Was hast du denn so Wichtiges vor?" Ist es mcht wichtig genug, erwidert er ihm, was in der Schrift geboten ist: „Und du sollst siez kundtun deinen Kindern . . die Worte, die du am Horeb vernommen"? Seit dieser Zeit! nahm R. Chijja seinen Morgenimbis nicht eher, als bis er mit seinem Sohne dhs Pensinn vom vorigen Tage wiederholt und ihn noch was hinzugelehrt hat.!(Kiddnschin 30.) In seiner-naiv-poetischen Weise beschäftigt sich der Talmud einmal mit der Frage, was Gott in dejn verschiedenen Tagesstunden tue. Jeder Stunde wird nun eine besondere dem Wesiwohle geltende Tätigkeit zngewiesen. In einer derselben aber, heißt es, beschäftige sich der Herr mit dem Unterrichte der im zarten Kindesalter Hingeschiedenen Seelen. (Aboda sara 3.) Man mochte es ja fast zügellos nennen, mie hier der Tirlmnd über Gottes Waltnng spekuliert: aber wie rührend veranschaulicht es den überschwänglichen Wert, den man auf den Unterricht der Kleinen legte! Auch dje früh dahingegangenen könnte man sich nicht ohne geistige Weiterbildung denken. j Für ebenso verdienstlich wie die Belehrung der eigenen Kinder wurde die Belehrung fremder Kinder erachtet. „Wer seines Nächsten Sohn in der Lehre unterrichtet, der wird einst rh der Nähe Gottes weilen. Wer den Sohn eines Unwissenden unterrichtet, von dem wird selbst ein schon beschlossenes Unheil abgewendet werden. Denn so heißt es Jer^u. 15): „So du Edles aus Gemeinem ziehest, so wirst du nach meinem Munde stin." (Baba im*zia So.) Einst kam der Patriarch R. Inda nach dem Orte, wo R. Tarfon lebte. Es tat ihm nun leid -zn erfahren, daß der Enkel dieses trefflichen Weisen — sein einziger männlichen Ncchkomme — auf Abwegen sei. Er ließ ihn zu sich kommen und versprach ihm die Hand seiner Tochter, so er sich der Lehre znwenben wolle. (Das.) - iic die Liebe hochsinniger Frauen so manchen begabten Jüngling die leuchtenden, abtx steilen Höhen der Gelehrsamkeit hinaügeführt, davon enthält der Talmud gar manche Beispiele, ich Ihnen im; vorigen Eines davon, das den großen R. Akiba betraf, habe Jahre mitgeteilt. Gestatten Sie, daß ich Ihnen heute eine