Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1903)
- Date
- 1903-11-01
- Page
- Seite 245 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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erworbenen Reichtum znschrieb, undihnen reiche Gaben zuteilte. Sei versichert beteuerten sie ihm, wenn auch das Geschenk, das du uns das vorige Mal ^eget«M weit geringer war als die von Anderen erhaltenen, so haben wir es doch au^U höchste angeschlagen; denn wir wußten, es kam aus opferfreudigem Herzen. (Jer^ schalmi Horajoth 3. Wajikra rabbali 5. Bamidmar rabbah 4.) Bon einem anderen Mäcen berichtet der Talmud, er hätte es nur darauf abgesehen, Alle zusammen mit seiner Freigebigkeit zu übertreffen und sei wegen.der schlauen Art, wie er seinen Zweck zu erreichen gesucht, scherzhaft der „Betrüger Abin" Jf genannt worden. Einst war R. Simon E. Laktisch gekommen, um für sein Lehr haus zu sammeln. Er besuchte Abin — er gab Nichts; er besuchte ihn später wieder — er gab zum Erstaunen des Rabbi wieder Nichts. Endlich, nachdem Abi» erfahren, daß Alles bereits gegeben, erschien er, um so viel zu geben, als Alle ä zusammen genommen. Gewiß eine recht verwunderliche Art, freigebig zu sein, die4 auch ihre Schattenseiten hat. Denn wer oft solchen Sammelgeschäften sich unter ziehen muß, weiß, wie sehr er in seiner Arbeit dadurch gefördert wird, daß Reichsten und Freigebigsten sich an die Spitze stellen. Aber wer wollte nicht damr zufrieden sein, wenn es immer nur solche Betrüger in der Welt gäbe? Als groß gilt die Pflicht der Verehrung vor dem Alter, als noch größer die vor dem Gelehrten. Wenn Jehuda B- Chijja wußte, der greise R. Jcmnai werde in die Stadt kommen, stellte er sich auf eine Anhöhe, um ihn schon aus der Z Ferne zu sehen und vor ihm anfstehen zu können. Hast du uns nicht gelehrtM fragten ihn seine Schüler, mau erhebe sich vor dem Greise in einer Entfernung tmtt || vier Ellen? Im Anblick des Sinai, entgegnete Juda, fällt diese Beschränkung!j Der Gelehrte war ihm sv heilig wie der Sinai. (Jeruschalmi Bikkurim 2.) Entsprechend dein Ansehen, in welchem der Gelehrte stand, war denn auch der Eifer, mit welchem Eltern ihre Kinder zum Unterrichte anhielten. Und es war ein reiner Eifer, denn es handelte sich dabei nicht um ein Brotstudium Für die 1 Fähigkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu beschaffen, war nämlich dadurch gesorgt, '- daß jeder Vater pflichtgemäß sein Kind ein Handwerk oder Gewerbe lernen ließ, wobei keinerlei Arbeit für erniedrigend galt. „Etwas Großes ist die Arbeit — ruft der Talmud aus — sie ehrt den. der sie verrichtet." Nur wird der Vater ermahnt, bei der Wahl eines Berufes für seinen Sohn möglichst nur einen solchen in's Auge zu fassen, mit welchem die wenigste Versuchung zur Verletzung der Moral verbünde» .[ ist. (Iudduschin 82.) Der Begriff „Brotstudium" ist also im Talmud unbekannt.; Ganz frei von irgend einem materiellen Jntresse ist das Lernen und Forschen, und Jedermau, ohne Ausnahme ist dazu verpflichtet; der Lohn aber besteht in der idealen . Höhe, zu der cs den Menschen emporträgt. (Das. vgl. auch Beracb. 17.) So begegnen wir unzähligen berühmten Gelehrten, die einen Teil ihrer Zeit in der > Werkstatt, einen Teil im Lehrhause, wo sie Scharen von Jüngern umgeben, derbringen. Hieraus erklärt sich der gesunde, kernige Idealismus, der den Aus-