Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 236 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Wonatsschau. Man schreibt uns: Dem Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes geht soeben eine c.emeinsame Verfügung der Herren Minister der Justiz, der Finanzen und des Innern an den Vorstand des Vereins „Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl in Weißensee bei Serlin" vom 26. August d. Js. zu, wonach der die Rechtsfähigkeit bereits besitzende Verein als milde Stiftung anerkannt wird. Dem Verein steht hiernach im gesetzlichen Umfange Befreiung von der preußischen Stempelsteuer, der Erbschaftssteuer und der Gerichtsgebühren zu. In diesem Erlaß darf wohl ein neuer Beweis der von den höchsten Staatsbehörden dem gemeinnützigen Zwecke des genannten Vereins gezollten Anerkennung erblickt werden. Neben diesem moralischen Wert ist aber auch der materielle nicht zu unterschätzen. Nunmehr können Wohltäter der Arbeiterkolonie Schenkungen und letztwillige Zuwendungen in beliebiger Höhe gewähren, ohne daß ein nicht unbeträchtlicher Teil (vier vom Hundert) dem gewollten Zweck entfremdet wird. Es ist dem genannten Institut zu wünschen, daß ibm nunmehr das Interesse unserer Philanthropen in erhöhtem Maße zuteil wird. Denn die Aufgaben der Arbeiterkolonie sind über den von den Leitern selbst gezogenen Rahmen weit hinausgewachsen. Statt der siir das Jahr 1903 veranschlagten. Besetzung mit durchschnittlich 50 Mann, ist eine solche von 70 Kolonisten zu verzeichnen: so groß ist der Zudrang der Arbeitswilligen gewesen. Hinzu kommen noch durch mehrere Wochen- 10 Flüchtlinge aus Kischinew. Es ist bisher gelungen, allen Schützlingen Beschäftigung zu verschaffen- Über die Bedeutung dieser sozial m Leistung brauchen wir uns an dieser Stelle nicht zu verbreiten. Man wird aber einsehen, daß die Vereinsleitung in gesteigertem Maße auf das Wohlwollen weiter Kreise angewiesen ist. Für den Verein bestimmte Geldsendungen und Zuschriften beliebe man an das Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Berlin W., Steglitzerstraße 85 zu adressieren. Beabsichtigte Naturalienspenden, insbesondere die sehr erwünschte Zuwendung von gebrauchten Kleidungsstücken, fcirel t melden der Jüdischen Arbeiterkolonie in Weißensee, Wörthstraße 20. Telephoi -Amt Weißensee Nr. 192. — Am 26. September starb in Frankfurt a. Hl. Herr Rechtsanwalt und Notar Julius Plotke, geboren in Borek, 5. Oktober 1857. (ä:r entfaltete eine überaus reich gesegnete Tätigkeit im Dienste der Humanität und des Judentums und stellte die reichen Gaben seines Herzens und seines Geistes in den Dienst edler Bestrebungen, die in ihm einen stets hilfsbereiten Förderet gefunden haben. Bei seinem unter ungemein großer Beteiligung stattgefundenem Leichenbegängnisse am 30. September, hielt Herr Rabbiner Dr. Seligmann die Gedächtnisrede und pries ihn als einen der besten Söhne des Judentums. Nachruft für die verschiedenen Vereinigungen hielten Herr Justizrat Dr. Geigen Gth Äat Meyer-Karlsruhe, Charles Hallgarten für die Jca und Alliance, Wislpch für die Groß-Loge Bnei Berith, Dir. Dr. Adler für den