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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-10-01 · Heft 10 (1.10.1903) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 10 (1.10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 227 (sequence 13)
Language
German
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der Sinn ihm stehen, umso höher das Herz ihm schlagen für seine Brüder, die drunten in den Tiefen unter der Last des Lebens keuchen. Zu einem reichen Manne kam einst ein Freund zu Besuch. Er fand einen Troß von Dienern vor und machte dem Hausherrn freundschaftlich den Borwurf: „Wie kann man so viel Diener brauchen?" — „Mein Freund", erwiderte der Wirt, „ich brauche sie nicht, sie aber brauchen mich." So sollte jeder Reiche in Israel von seinen Brüdern denken: Wenn ich auch sie nicht brauche, sie brauchen mich- Und daran zu mahnen, die Gewissen aufzurütteln, für gegenseitige Fürsorge und Bruderliebe, für solch' inniges Zusammengehen mit allem Eifer einzutreten, das ist die Pflicht dessen, der von Gott bestellt ist, „einen Himmel zu pflanzen und eine Erde zu gründen." IV. ..Und zu Zijon zu sprechen: Mein Volk bist Du." Ter Bannkreis der Gemeinde darf nimmermehr begrenzen den Gesichtskreis eines Führers in Israel. In der Gemeinde selbst muß er wachhalten das Bewußtsein: Wir stehen nicht für uns allein, nur sind ein Teil nur eines großen Ganzen, ein Glied nur eines großen Volkes mit ruhmbeglänzten Erinnerungen und weitausschauenden Hoffnungen. Was immer das Judentum bewegt, und sei es räumlich noch so fern, unserem Herzen muß es nahe sein. Auf Schritt und Tritt muß uns bestimmen und leiten der Ausblick auf das Ganze, der Gedanke an das gesammte Israel, eine Stimme in unserer Brust, die zu ganz Zijon spricht: „Mein Volk bist Du". Und wie der Leitung jeder Gemeinde, so muß es auch jedem einzelnen Juden ins Herz geschrieben stehen: Das Höchste, was der Mensch besitzt, das ist sein Volk. Jede Versündigung an diesem Geist der Gemeinschaft, sie fällt nicht nur zurück ans das Haupt des Sünders, sie trifft die Gesamtheit der Brüder. Unsere Weisen erzählen uns ein lebrreiches Gleichnis: Ein Boot kämpft auf hoher See in schwerer Rot bei Nacbt und Nebel gegen Wind und Wogen. Welle ans Welle rollt donnernd heran, droht seine Planken zu zertrümmern. In ängstlicher Spannung lugt Alles nach der Richtung, wo man die Küste, den Hafen erwartet, ob nicht Hilfe, nicht ein rettendes Licht sich zeige. Nur einer sitzt abseits von den Gefährten, unheimlich ist sein Sinnen und Tun. Feindschaft erfüllt seine Seele gegen einen der Gefährten, ihn will er vernichten um jeden Preis, und in blindem Hasse bohrt er an feinem Platz den Boden des Rachens an. Der Führer des Bootes erkennt die Gefahr. Er stellt den Täter zornig zur Rede. Doch dieser antwortet höhnend: „Ich habe diesen Platz bezahlt, mir gehört dieser Teil des Bodens, und was mir beliebt, kann ich damit beginnen". „Tu tückischer Tor", belehrt ihn der Führer, „weißt Tu denn nicht, daß Du nicht Deinen Feind allein, daß Du Dich selbst, daß Du uns alle dem Verderben weihst"? Meine Freunde! Ganz Israel ist dieser schwanke Nachen, der gegen Sturm und Wogen einen Kampf führt, der seit Jahrtausenden die edelsten Geister zur Bewunderung hinreißt. Rings

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