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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-10-01 · Heft 10 (1.10.1903) · p. Seite 226

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 10 (1.10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 226 (sequence 12)
Language
German
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226 Die Thora ruft den Geist an, das Denken, — Gemüt und Herz, sie finden Befriedigung und Nahrung im Gottesdienst. Hem Gewissen, und fühlte es noch so brennend das Bewußtsein schwerer Schuld, hier wird ihm-Ruhe und Versöhnung. Die Seele, die nach kindlichem Danke lechzt für die Wohltaten Gottes, hier weiß sie den Altar, zu danken dem Spender alles Guten und Schönen. Das Herz, das in Angst vor drohendem Unheil bebt und bangt, hier hört es die Verheißung eines Gottes, der uns schirmt, und beifteht in Kampf und Not. Hier leuchtet das einige Licht, die ewige Flamme der Liebe, die stets von Neuem speist die Sterne an dem Himmel, den del Priester berufen ist, ans Erden zu pflanzen.! I ui. „Und eilte @rjbe zu gründen", die Erde, die diesen Himmel tragen soll. Ein großer Denker (Al. v. Humboldt im „Kosmos") schildert uns aus eigener Erinnerung, wie! ein (Erdbeben auf die Seele des Menschen einwirkt. Das Sicherste, der Moden, auf dem er geht und steht, die Mutter Erde wankt und weicht und schwindet ihm Unter pen Füßen. Auch in seinen! Herzen schwindet mit einem mal jeder Halt. Nicht nhr die Erde, auch der Himmel droht ihm eiuzustttrzen. Und ähnlich fühlt dir Mensch, wenn ihm der Stab des Brotes bricht, wenn ihm der Grund und Boden seines irdischen Bestandes unter den Füßen schwindet. Wie soll für einen Himmel Raum sein in einer Brust, die bis zum Übermaß die Erde füllt, die Angst und Sorge um irdisches Heil? Wie oft muß der Verkünder des Gottes- Wortes die bitteren ^Vorte vernehmen: „Was soll der Himmel mir frommen, den du in das Herz mir pflanzen willst, während die Not meine Gedanken mit eisernen Ketten zur Tiefe zieht, die Armut die Schwingen des Geistes mir lähmt, die Sorge meine Seele u nnachhet und das Auge verdüstert: willst du für den Himmel uns gewinnen, schasse erst eine erträgliche Erde, diesen Himmel zu tragen " Darum fügt unser Prophet bedeutungsvoll hinzu: „eine Erde zu gründen", das Erdenglück jedes Einzelnen in ihrer Mitte zu festigen, das ist die Aufgabe jeder Gemeinde in Israel. Bruderhilfe, das ist der dritte Pfeiler des Himmelreichs ans Erden. Auch Mer stellt die neue Zeit ein neues Ziel. Meine Andächtigen! Die Bruderhilfe kommt zu spät, sie wird ihrer heiligen Aufgabe nicht voll gerecht, wenn sie erst eingreift, im dem Bruder, der schon zu Boden gesunken, den kargen Bissen, dem Verschmachteten den Labetnmk zu reichen. Nein, nicht Leiden lindern, sondern, wo es irgend angeht, die Leiden des Bruders hindern, den Wankenden stützen, daß er nicht falle, diese soziale Fürsorge und brüderliche Hilfsbereitschaft hat das alte Buch der BüÄer uns eiiMschärft. Hub gerade in unserer Zeit, da Haß und Neid der Feinde Unsere Bruder immer enger aus einander anweist, wo man der Tür schließt und den jüdischen Kaufmann zwingt, ans Not die tzt muß auch im Erwerbsleben immer fester und inniger werden jüdischen Arbeit die Tür zu schlichen, ji der Zusammenschluß zwischen Bruder und Bruder. Wen die Vorsehung begünstigt, daß er die Zinnen des Glückes erklommen, je höher sein Stand, umso höher muß

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