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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-10-01 · Heft 10 (1.10.1903) · p. Seite 225

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 10 (1.10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 225 (sequence 11)
Language
German
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für stille Beschaulichkeit. Mitten im Leben muß der Lehrer der Thora -steh'n, und mitten in dieses Leben, in das moderne, mit fiebernden Pulsen rastlos hastende. Leben, da mitten hinein soll er einen Himmel pflanzen. Mit der Kunst, die eine neue Zeit ihn lehrt, soll er den Thorafremden der Thora befreunden. Anklopfen sott er an die erkalteten, Gott entfremdeten Herzen mit dem Wort, mit welchem ich soeben hier begrüßt worden von beredtem Munde: „Weshalb willst Du draußen steh'n", mein Bruder? Siehe, hier ist eine Zuflucht Deinem Geist aus allen Zweifeln, aus den in ewigem Wechsel sich gegenseitig verdrängenden, jagenden Meinungen des Tages. Weshalb willst Du draußen stehen in der Eisesluft einer liebeleeren, entgotteten Welt? Komm herein, hier soll Dein Herz wieder warm werden im Leuchten der Sterne am Himmel der Thora. Ja. eine neue Zeit ist angebrochen und eine neue Form heischt sie der Weisung und Belehrung. Auf den Gassen suche die Lehre ein willig Gehör, hinaus auf den Markt des Lebens muß der Lehrer der Thora, dort soll er die Gewissen aufrütteln, dort soll er Herzen suchen. Wo noch ein Funke glüht.der Liebe für Thora und Israel, mit dem Gluthauch seiner Begeisterung muß er zur lohenden Flamme ihn entfachen. Außerhalb des Heiligtums soll er werben für das Heiligtum. Wo aber sollen wir den Sinn für das Ideale suchen, wenn nicht im Herzen der Frauen? An die Frauen zunächst sollte Moses sich wenden, als er dem Volke die erste Botschaft Gottes brachte. Einen Himmel auf Erden pflanzen, leuchtende Sterne streuen in das farblose Gelände des Alltags, wer sollte die Gärtnerkunst meistern, wenn nicht der Zauber des Frauenherzens? Hier ist die Quelle unseres Glückes, der Quell' unseres G la n be ns, er soll sich hier erschließen. Die Hand, ^die uns Sorgen lind Zweifel scheucht, die einen Himmel uns bereitet in unserem Hause, an diesem Himmel soll sie von Neuem entzünden die Sonne des Glaubens. Das heilige Erbe, das einst der Hut des Vaters vertraut war, an das Herz der Mutter hat es Gott gelegt. Im Herzen der Mütter in Israel soll der Himmel der Thora erstehen, hier soll Begeisterung flammen für das Batererbe. Denn nur aus dem Herzen der Mutter strömt die heilige Glut in das Herz des Kindes. Von der Gottesstimme, die Mose vernahm, erzählt die Schrift: zwischen den beiden Kerubim ans der heiligen Lade erging sie an Mose, den beiden Kerubim, die das Antlitz eines Kindes trugen. Das Kindesantlitz hatte Mose vor Augen, wenn Gott in seinen Mund die Worte Der Diener Gottes, das Kindesantlitz muß er ins Auge fassen, in das Kindesherz vor Allem soll er den Himmel pflanzen. Die Pflege der Schule fordert in seinem Herzen einen Platz dicht neben der Pflege des Gotteshauses. So soll der Verkünder des Gotteswortes das Herz der Männer, das Herz der Frauen, der Kinder außerhalb des Gotteshauses werben für das Gotteshaus Wie draußen der Phrophet, der Sendbote Gottes, so ist er hier im Gotteshaus der Priester.

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