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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-10-01 · Heft 10 (1.10.1903) · p. Seite 224

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 10 (1.10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 224 (sequence 10)
Language
German
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mit dem anderen, ^Ürnmen beide zusammen, dann steuert er die rechte Bahn. Wie der Leiter des Schisses, muß auch der Leiter der Gemeinde einen sochen doppelten Kompaß befragen. j Auf der eiftetj Seite das leuchtende Borbild, die heilige Urgestalt eines Propheten Altisra^ls, der m kühner Rede mit der Gottesstimme, Blitze sprühend und Feuersflammen, bahnend, warnend, drohend, zürnend, dem Volke und seinen Fürsten ihr Vergchep Vorhalt, die lebendige Verkörperung der Unerbittlichkeit nls und nachsichtslosen druck leihen soll; seinem Herzen voll und versöhnt, als schützender Liebe: das teerige*), des anklagenden Gewissens, dem das Gotteswort Ansder anderen Seite das verklärte Bild des Priesters mit upendticher Liebe, Milde und Nachsicht, des Priesters, der sühnt lebendig gewordene Barmherzigkeit, das Vergehen zudeckt in ist der doppelte Kompaß für den Führer der Gemeinde! Auf die Gewissen, auf In seiner ^ee Propheten, der m seines Wortes das tiefsten Tiefen die die unerbittliche Stimme des Gewissens. Doch diese eifernde Glut des Propheten dämpft und sännigt Priestertums, das da der einen Seite dajs hie Empfindung für Verantwortlichkeit und Pflicht aufrüttelnde der anderen Seite die versöhnende Liebe, e flanunt ein Sonnenblick von der heiligen Lohe des alten it zwingender Gewalt die Gewissen bannt, mit dem Donnerruf Erdreich lockert in den Herzen, mit flammendem Blitz in ihren Gluten der Scham, der Reue zündet. In seinem Worte spricht ein Hauch der versöhnenden Liebe und Nachsicht des alten Fehl bedeckt und Sünde mit dem Schatten himmlischer Güte und Versöhnung. Dcir Genius des Propheteneifers und der Genius der Priestermilde, sie reichen sich die Hand in der Seele des rechten Lehrers der Gemeinde. Dieser doppelte Kompaß weist ihm den Weg und führt ihn sicher zu dem Ziel, das ihm Gott bestimmt.! II. Dieses Z^el bezeichnet der Prophet mit dem Worte: „einen Himmel zu pflanzen", das Gottesreich aus Erden zu gründen. Das Gottesreich auf Erden, wie gründet man es anders, als auf die drei Pfeiler der sittlichen Weltordnung, auf Gotteserkenntnis, auf Gottesdienst und auf gegenseitige Bruderhilfe! Die Wissenschaft des Judentums, fördern, und was er gefördert aus dem Schacht der Lehre, diese Saat des Geistes in die Herzen streuen, das soll der Diener Gottes. Es gab eine Zeit, da durfte der Gottesdiener vertieft in das heilige Schrifttun, weltfremd und einsam, seine Seele füllen mit dem Glanz der Sterne, die ihrn die Thora leuchten ließ in stiller Klause. Das war sein Beruf, darin fand er sem Genügen. Ein solcher Sternseher aber übersieht gar leicht den Unstern, der da aufgeht in seinem Hause. Über dem Wandel der Sterne vergaß so mancher, der: War bet der Zeiten wahrzunehmen. Heut', heut' ist die Zeit nicht *) Bgl. Ta mud jer. Makkot II, 7 (Ed. Krot. 31 b) und Ialkut zu Ps. 25.

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