Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 222 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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brauen scheinen dicke und glänzend. In melancholischen und Auch hier hat man es nicht ein jüdisches Auge. — 223 L^nd dichter, die Lider sind ziemlich voll, das Auge groß, dunkel zünftigen Fällen verleiht es dem Gesicht einen träumerischen, Sdankenvollen Ausdruck, in anderen Fällen ist es schläfrig, j geschlossen, einen listigen Eindruck. Dieses Auge ist ber für Juden und nicht für alle Juden. Man kann es auch Völkern finden, die lange als Minorität unter Druck und Verfolgung zu leidest hatten. Es drückt Furcht, Ängstlichkeit oder Mißtrauen aus. mit einem Ergebnis des Ghetto zu tun. Es ist ein Ghetto-, Man findet es auch bei den Armeniern, die ein dem der Juden sehr ähnliches Schicksal gehabt haben, bei den Kopten in Ägypten, bei den Basken in Europc . . Die Juden, die schon einige Generationen außerhalb des Ghettos gewohnt hapen, besitzen nicht mehr das charakteristische Auge. — Dr. Fishberg hat wähnnd^ seiner Forschungen Tausende von Photographien aus allen Teilen der Welt gesammelt, welche zeigen, iwie groß die Verschiedenheiten in den Gesichtern derJudui schon jetzt sind. Da sind chinesische Inden, die sich schwer von den Gesichtern wir klicher Chinesen unterscheiden lassen, rumänische Juden mit den Gesichtern ihrer Verfolger, italienische Juden, die in Amerika als Repräsentanten des italienischen Typus angesehen werden re. Diese Sammlung unterstützt als Ganzes wesentlich die Theorie, daß das jüdische Gesicht nach und nach verschwinden wird. — Die Gesichteras in ilation wird wesentlich beschleunigt werden durch die Mischehen. Diese nehmen, wie wir hier hinzufügen wollen, überall stark zu. In Berlin beispielsweise ist die Zahl solcher Mischehen eine sehr große. In Schweden bilden sie fast die Regel und ciuch in den Ver. Staaten kommen sie so häufig vor, daß man kaum noch Notiz oou ihnen nimmt. — Interessant sind noch zwei Bemerkungen, die Dr. Fishberg mactat. Die jüdische Frau, sagt er, wird längere Zeit die jüdischen Gejichtszüge behMeij, als der jüdische Mann, weil sie weniger Gelegenheit hat sich zu assimilieren, Abtr wenn auch das Volk nach einiger Zeit Juden als Juden nicht mehr wird erkennen können, das erfahrene Auge des Anthropologen wird sie doch an der Schäßelbildung erkennen. Der Schädel ist nicht wie das Gesicht äußeren Einflüssen Unterworfen. — Die Zeit wird, wie wir hier noch hinzufügen wollen, jedenfalls äuch mit vielen anderen jüdischen Eigentümlichkeiten ausräumen. Sprache, Gestikulat onen, Bewegungen sind bei den meisten heutigen Juden in Deutschland lange ipcht mehr so abweichend, wie sie es vor nur drei, vier Jahrzehnten waren. Es' ist selbstverständlich, daß gerade das Verschwinden des Fremdartigen aus den Gesichtszügen auch auf Abnahme des offenen wie des latenten Antisemitismus hinwirken wird. Fallen noch die staatlichen Benachteiligungen und Zurücksetzungen fort, dann ioirb bis auf die Religion ein Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Deutschen nicht mehr vorhanden sein. Die Verschiedenheit des Glaubens aber erzeugt schon jetzt lange nicht mehr so viel Haß und Mißtrauen wie vordem und wird mit zunehmender Erleuchtung in Zukunft es noch weniger tun.