Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 221 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Beamter der vereinigten jüdischen Wohttätigkeitsanstalten hat er viele Tausende von Individuen untersucht und auf den Ergebnissen dieser Untersuchungen beruht seine Theorie. — Dr. Fishberg behauptet, es gebe überhaupt keine jüdische Physiognomie. Was wir als eine solche ansehen, ist nur eine Ghettophysiognomie, die, nachdem das Ghetto aufgehoben, nach einigen Generationen verschwinden wird. Schon jetzt ist sie im Verschwinden begriffen. Nach einiger Zeit wird der russische Jude aussehen wie ein Russe, der französische wie ein Franzose, der deutsche wie ein Deutscher, der amerikanische wie ein Amerikaner. Schon jetzt sind oft Unterscheidungen schwer bei Personen, deren beide Eltern unzweifelhaft Inder: sind, und die Zahl der so schwer erkennbaren Inden nimmt von Tag zu Tag zu. Der Grund ist, daß Hautfarbe und Gesichtsznge Rasseneigentümlichkeiten sind, welche bekanntermaßen durch die Umgebung und gesellschaftliche Stellung- und Auswahl beeinflußt werden- — Das immer mehr verschwindende „jüdische Gesicht" ist das Ergebnis des Leidens, der Berfvlgnng und der wechselvollen Schicksale, welche die Juden im Laufe der Jahrhunderte überall erduldet haben. Sind erst einige Generationen vergangen, dann verschwindet das jüdische Geilcht von vordem. Der Unterschied zwischen dem eben in New-Aork einwandernden russischen Juden und dem amerikanischen Juden von Stellung ist so groß wie der zwischen einem Celten und einem Teutonen. Die Vorfahren dieser amerikanischen Juden jedoch glichen wahrscheinlich dem heutigen Juden in New-Iorks Osten. Das beweist, daß das jüdische Gesicht von der Umgebung beeinflußt wirb. — Man hat gewöhnlich die Judennase für charakteristisch gehalten. Man nimmt in. der Regel an, daß jeder Jude eine lange gebogene Nase besitze. Sieht man aber genauer zu, dann erweist sich diese Annahme als eine irrige. Meine eigenen Untersuchungen, sagt Dr. Fishberg, von mehr als 3000 Juden in der Stadt New-Iork haben ergeben, daß nur 6 Prozent gebogene', 68 Prozent grade, 12 Prozent breite und 14 Prozent zurückgebogene Nasen haben. — In den osteuropäischen Ländern sind die Juden leicht zu unterscheiden durch ihre Tracht, und da die westeuropäischen und amerikanischen Juden mehr den osteuropäischen Juden als den Germanen und Angelsachsen ähnlich sind, erkennt man auch sie noch leichter als Inden. Aber man suche sich ein beliebiges Gesicht aus, das man für spezifisch jüdisch hält, und man wird, wenn man in verschiedenen Teilen Europasucht, ein anderes ihm fast gleiches Gesicht finden, dessen Besitzer nicht einen Tropfen jüdischen Bluts in seinen Adern hat. — Diejenigen, die sich der Berliner Radauszenen zu Anfang der antisemitischen Bewegung erinnern, werden dem Dr. Fishberg gewiß zustimmen, denn sie werden wissen, wie oft germanische Christen, ja Antisemiten für Juden gehalten und durchgeprügelt worden sind. — Das fremdartige Gesicht, erklärt der amerikanische Anthropologe weiter, wird für ein jüdisches Gesicht gehalten und im Verein mit dem Ghettvgesicht macht es allerdings den Eindruck, als gebe es ein spezifisches jüdisches Gesicht. — Es gibt im jüdischen Gesicht allerdings ein unleugbar Charakteristisches, und das ist das Auge. Die dunklen Augen-