Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 219 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn sie nicht in den Händen von Männern ist, die einem fremden und immer fremd bleibenden Volkslume angehören." Das sind die mäßigen Folgerungen, die man aus den zionistischen Bestrebungen vorläufig zieht. Das schmutzige Wasser ist sicher, das reine ist unmöglich zu haben. Die „Deutsche Tagesztg." stellt ihre Forderungen, obwohl sie selbst das zionistische Ziel als eine Utopie bezeichnet, ja sie behauptet, ihre Forderungen seien nicht einmal antisemitisch sondern die logische Folge der angeblich von der Geschichte nachgewiesenen Tatsache, „daß das jüdische Volkstum nicht geneigt und nicht fähig sei, ohne Rest im deutschen aufzugehen." Wir bestreiten, daß diese Tatsache erwiesen sei, behaupten im Gegenteil, daß in der kurzen Zeit, in welcher deutsche Bildung den Juden überhaupt zugänglich ist, die Juden sich in jeder Beziehung in gerade zu erstaunlichem Maaße dem deutschen Volke assimiliert haben. Der Beweis liegt auf der Hand. Die deutschen Juden standen vor hundertundsünfzig Jahren etwa auf derselben Stufe, auf welcher die russischen Juden heute stehen. Ausnahmen bei den damaligen deutschen und den russischen Juden bestätigen nur die Regel. Nun vergleiche man die russischen und die deutschen Juden, und ziehe ferner in Betracht, wie viel mehr in jeder denkbaren Beziehung sogar in — religiöser, so seltsam das klingen mag, der deutsche Jude dem Deutschen gleicht, weil er, obschon verhältnismäßig nur kurze Zeit, nicht von dem deutschen Volke „reinlich geschieden" war, und wie sehr der russische Jude in jeder Weise von dem Dnrchschnittsrnssen abweicht, weil er in allen möglichen Beziehungen von dem russischen Volke geschieden leben mußte. Man denke ferner daran, daß die Juden bei Weitem nicht so lange als deutsche Bürger angesehen und so behandelt werden wie Polen, und frage sich, wer in dieser Zeit mehr in das deutsche Volkstum aufgegangen ist, die Juden oder die Polen. In beiden von uns angeführten Beispielen kann man nicht einen Augenblick über die eine allein mögliche Antwort im Zweifel sein. Freilich spricht die „deutsche Tagesztg." von einem „ohne Rest aufgehen-. Wir wissen nicht ganz, was sie darunter versteht. Aber wir fragen sie, ob etwa das süddeutsche in dem norddeutschen Volkstum oder umgekehrt ohne Rest aufgegangen und zu einem restlos deutschen geworden ist. Wir fragen, ob volle Harmonie herrscht zwischen den Sachsen und den Preußen, zwischen den Bayern und den Norddeutschen, ja zwischen Rheinländern und Westfalen und noch niehr in derselben Provinz zwischen Städtern und Landbewohnern. Giebt es keinen „Rest" zwischen den katholischen, Deutschen, die man vor gar nicht so langer Zeit zum großen Teil als Reichsfeinde bezeichnet hat, und dem protestantischen Deutschen? In welchem der verschiedenen' deutschen Volkstümer soll denn das-jüdische ohne Rest aufgehen? Ein Rest wird immer bleiben,' sogar zwischen zwei Haus-, zwischen zwei Flurnachbaru. Und ein Rest soll immer bleiben Wir wünschen und verlangen von den