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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-09-01 · Heft 9 (1.9.1903) · p. Seite 204

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 9 (1.9.1903)
Date
1903-09-01
Page
Seite 204 (sequence 14)
Language
German
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— 204 — Einem Berichte aus Kojetein ist zu entnehmen, daß im Jahre 1727 in 40 Wohnhäusern sich 470 jüdische Seelen befanden. Die jüdische Gemeinde daselbst hat nachweislich schon vop ].618; bestanden, denn die aus Steinen und Ziegeln erbaute Synagoge wurde 16i4 renoviert. Im Jahre 1657 bestanden 16, im Jahre 1678 23 besetzte Judenhäuser in Kojetein. Die Durchführung der Judenseparation bereitete große Schwierig!;iten. Das Olmützer Konsistorium berichtet in einer Anzeige vom 6. Mai 1727, daß die Juden an einem Palmsonntag einer der früheren Jahre (1724?) in Neu-Raußnitz die christlichen Passionszeremonien verspottet hätten, worauf ein Reskript »ott 27. Juni 1727 des Kaisers folgte, in dem der Befehl zur vollständigen Trennr ng der jüdischen Wohnhäuser scharf wiederholt wurde. Die Christen aber wollten dort wo Christen- und Judenhäuser in bunter Mischung nebeneinanderstanden, vor der Durchführung dieser Maßregel nichts wisien. In Kremsier muß schon vor 1618 eine Juden-Kommunität bestanden haben. Daselbst wurde 1470 Handel Daniel, 1589 Moses Nastalle und 1616 Salomon Nastalle auf dem dortigen jüdisch:» Friedhofe begraben. Aus einem alten Buchregister ist zu ersehen, daß schon! damals (29. Juli 1629) die Kremsierer Judenschaft dem Bischof von Olmütz alljährlich gezinset hat. Wegen des Tragens der Bärte und wegen der Tracht der Inden wendet sich die Landesstelle an den Landesrabbiner Bernhard Gabriel Eskeles der hierüber ein kulturhistorisch äußerst interessantes Gutachten abgibt. Jul Jahre 1736 machte ein Prager Handelsmann namens David Heinrich Lehmann der böhmischen Hofkanzlei den Vorschlag, auf die Einfuhr der von der Judenschaft zur Feier des Laubhüttenfestes gebrauchten Paradiesäpfel (Esrogim) eine „besondere Maut" zu legen. Maria Theresia nahm den Antrag auf, aber in der Forno daß die Judenschaft in Mähren, Böhmen und Schlesien für die Einkanfsfreiheit der Esrogim jährlich den Betrag von 40000 Gulden an die Ärialkasse einzuzahlen hätiten, wozu die Juden in Böhmen sieben, die mährischen vier und die schlesischen Juden ein Zwölftel beisteuern sollten. Die Juden verfaßten eine Protcsteingabe, die am 9. April 1745 eingereicht wurde, welche aber ohne Erfolg war. Jedoch wurde die zu leistende Steuer erniedert. Der Antragsteller dieser Steuer erhielt 1000 Dukaten als Renumeration, lebte aber doch in sehr ärmlichen Verhältnissen. Im Jahre 1727 wurde in allen mährischen Gemeinden Judengassen eingeführt und mußte die Regierung schon wegen Überwachung der Heiratsbeschränkungen über die Verhältnisse der Juden sich stets auf dem Laufenden erhalten. Die Juden io der aus 311. Paragraphen bestanden, von welchen sich zwei komplette Exemplare, im Aktenfaszikel der k. k. Statthalterei Archivs (Sign. I. 43) in Brünn befinden, welchen auch die Beschlüsse der Synodalversammlungen von Holleschau (1650) bis Austerlitz (1779) beigeg in's Deutsche und legte Mähren besaßen in den alten Statuten (Schey Tokanoth), den sind, eine ganz bestimmte Verfassung. Viele Schwierigleit bereitete den Juden die Übersetzung dieses „Tokanoth" endlich am 27. Oktober 1751 der Landesrabbiner den Üiü üjyf^tea

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