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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-09-01 · Heft 9 (1.9.1903) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 9 (1.9.1903)
Date
1903-09-01
Page
Seite 203 (sequence 13)
Language
German
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Einiges aus demselben folgen lassen. Der gelehrte Verfasser leitet feine mit einem Eitat aus dem Artikel .Juden" in Ersch und GruberS EucyclopaM^ ein: die Schicksale der Juden gehören zu den außerordentlichsten der WeltgeschirW^ Die größten Interessen, die großartigsten Leidenschaften boten den Stoff zu Drama ihrer Geschichte. Wie die Kämpfe, die Leiden, die Erfahrungen der jüdische»^ Nation unvergleichliche sind, so auch ihre Standhaftigkeit, ihre Treue für natiouaftchH Gesetz, ihre Begeisterung für Glauben und Gedanken— — Ihre Religion war.A ein Quell menschlicher Liebe und humaner Bildung, aber die Humanität und Liebe ist ihnen bis auf diesen Tag durch sonderbare Verhältnisse nicht von den I Völkern zu Teil geworden. Was den modernen Antisemitismus anlangt meint der- < Verfasser, daß derselbe seinem Inhalte nach identisch sei mit dem von Generatim» o zu Generation vererbten Judenhasse der christlichen Bevölkerung in früheren Jahr» j“ hunderten und daß dieser Haß sich für unsere Zeit nur das Gewand der gegen»: wärtigen Kultur übergeworsen habe. Historisch betrachtet sei der Antisemitismus^ ganz allein aus konfessionellen Motiven entstanden, und daran kann der UmstarKH nichts ändern, daß man ihm in der letzten Zeit das Mäntelchen der Raffeuvot» Z schiedenheit umgehängt hat. Dieses täuscht nur den an oer Oberfläche der Er» 3, scheinungen haftenden Blick. Der Antisemitismus ist eine Spezialität der historisch«»^ Entwicklung in Europa. Die übrigen Erdteile kennen ihn kaum — er finkt steigt mit dem Sinken und Anwachsen deS Klerikalismus und wird erst verschwinde»^^ wenn sich die Kulturmenschen jenseits von dem wüsten Anger des konfessionell»?^ Gezänkes auf der hohen Warte erkannter nicht bloß geglaubter Wiffenschast wahrhaft humaner Bildung die Bruderhand reichen werden. In dem Kapitel : .Die Königlichen Städte und die mährische Judenschaft" wird von Judenverfolgung«« in den Jahren 1338, 1348 und 1396 berichtet. 1454 folgte die Austreibung der Juden aus den Königlichen Städten Brünn, Znaim, Olmütz und Neustadt. I« Jglau fand eine Vertreibung der Juden 1426, in Ung-Hradisch 1514 und t»? Neutitschein und Stramberg 1562 statt. Trotz der gegen die Juden herrschend«» ’ feindlichen Stimmung nahm sich ihrer, Mährens Landesprokurator Kardinal Dietrichstein an (1635) und sucht (1650) der mährische Gutsbesitzer Ferd. Leopold Grus von Nachod in Lichtenburg bei dem Königlichen Amte in Brüün um die ErlaubM nach, in zwanzig Häusern seiner in Mähren liegenden Güter Juden aufnehmen zu dürfen. In dem Kapitel aberschrieben: „Konskription und Separierung der Jude«- , schaft im Jahre 1727" wird hervorgehoben, daß die Juden nach dem dreißigjährWM^ Kriege nicht so verarmt waren, wie die Christen, wodurch sie deren Neid und Haß! erregten. Auch wandelten damals viele Juden ans Rußland, veranlaßt durch We Empörung des Kosaken-Hetmanns Chmielnicky (1648—1659) in Galizien und in Mähre« ein, was den Haß gegen die Juden uur verstärkte. Die Kopfzahl der mäh Judenschaft ist am Ende des 17. Jahrhunderts nicht unbedeutend gestiegen, auch die aus Wien vertriebenen Juden (1670) ließen sich vielfach in Mähren nitba. ifi ifrWurüiii

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