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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-09-01 · Heft 9 (1.9.1903) · p. Seite 201

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 9 (1.9.1903)
Date
1903-09-01
Page
Seite 201 (sequence 11)
Language
German
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■"""/.;' -' — m — *' Natürlichkeit vielfach Einbuße erlitten hat. In dieser Zeit liegen denn auch die Keime, die die jüdische Religion zu einem Gemenge von groben materiellen Zer»!- | moniert und von unübertrefflichen Lehren der Moral gestalteten. Die Zeit von Mose \\ bis zum Entstehen des Königtums ist in Hinsicht auf den Monotheismus aW A stationär und reaktionär zu betrachten und der Aufbau des Tempels bedeutet die Konzentrierung des äußeren Zeremoniendienstes, welchem materiellen Teile des _"*™ MosaiSmus die Priester als Stütze dienen, gegen die die Propheten, die als Moralisten und Ethiker wirkten, den Kampf aufnahmen. So erklärt Jesaia klar und offen alle äußeren religiösen Zeremonien als überflüssig und Gott nicht gefällig und erkennt in der Moral und Nächstenliebe das wahre Wesen des Indem- , tums. Mit Recht betrachtet darum auch Ernest Renau das Jahr 740 v. Chr.in welchem Jesaia die Botschaft des Heiles verkündet (Jes. 1, 10 ff.), als die Zeit in der das echte Christentum begründet wurde. Jin Geiste dieses Propheten fing erst Jahrhunderte später Jesu von Nazareth an zu predigen und zu wirken. Aber trotz dieses hohen religiösen Standpunktes hing ein fanatisches Priestertum mit I seinen grob materiellen Zeremonien wie eine schwere Last an Israel, das in seiner freien Bewegung dadurch gehemnit war. Umsonst traten die Essaeer, traten Johannesder Täufer und Jesu von Nazareth auf, die sich» weil zu sehr noch im nationalen und zeremoniellen Leben ihrer Zeit wirkend, zu der geistigen Höhe eines Jesaia, nicht aufzuschwingen vermochten. Ja Jesu selbst steht nicht auf derselben hohen geistigen Warte wie Jesaia, da er ja selbst seine Mission als eine ausschließlich jüdische bezeichnet wie aus den Worten „Ich bin nur zu den verlorenen Schafe« Israels gesandt" (Math. 15, 24) hervorgeht oder aus der Stelle (Math. 5, 17) „Denket ja nicht ich sei gekommen um das Gesetz und die Propheten aufzuheben". Jesu von Nazareth bekämpft kein einziges jüdisches Glaubensdogma und hält sogar noch etwas vom Opfer im Gegensätze zu Jesaia der es verwirft und bezeichnet' in der Bergpredigt das Fasten unter gewissen Umständen als Gottgefällig, im Gegensätze zu Jesaia. Es muß immer betont und hervorgehoben werden, daß Jesaia in Bezug auf Verwerfung von Zeremonien weiter ging wie Jesu und daß er die Religion universeller auffaßte, womit keineswegs gesagt sein soll, daß das Auftreten Jesu nicht doch von großer Bedeutung gewesen. Aber gerade seit jener Zeit habe».' die orthodoxen Lehren unglückseligerweise in Israel immer mehr überhand genommen und aus den finsteren Satzungen dieser Richtung - entstand der Talmud, der Jahr- : hunderte hindurch bis auf die heutige Zeit herab den religiösen Kanon des Jud«- tums bildete. „Israel stand am Scheidewege" ruft der Verfasser der gleichnamige» Schrift aus, es hatte zwischen dem durch Propheten weiterentwickelten idealisierte» Monotheismus und der durch das Priestertum geschaffenen materiellen Orthodoxie zu wählen, und eS wählte durch eine tragische Schicksalsfügung das Letztere. Ae Geschichte wird uns kaum noch ein Beispiel der Verirrung eines geistig so hoch veranlagten Volkes geben wie dies die Juden bieten. Und so erwies sich denn der

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