Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1903)
- Date
- 1903-09-01
- Page
- Seite 200 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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\ '■;• \ v ' '7^-'> ' ' w?~r" — 200 — Cäsar Schmidt) erschienene Broschüre, die in unserer Zeit, in der das Judentum an einem großen Wendepunkte angelangt ist, lebhaftes Interesse in den weitesten Kreisen zu erwecken inistande ist. Vorausschicken wollen wir, daß der Verfasser dieser durch Schlichtheit der Darstellung sich auSzeichnenden Schrift, der, wie er selber sagt, „als Sohn I sraels offen seine Meinung ausgesprochen" und der seinen Ausführungen ebensogut als inhaltdeckende Überschrift den Satz: „Los vom Talmud, zurück zu den Propheten", hätte vorsetzen können, ein gelehrter Kaufmann ist, der an leitender Stelle einer altehrwürdigen galizischen Gemeinde steht. Er stammt aus unverfälscht konservativ jüdischem Hause und ist erzogen und ergraut in einer strengsrommen Umgebung, in welcher der Talmud noch immer das Szepter schwingt. Seine in der Schrift zu Ausdruck gebrachten Ansichten fallen darum desto schwerer ins Gewicht, weil sie von tiefem Ernste getragen, zeigen, wie es auch in echt konservativen jüdischen Kreisen, wo das Judentum noch nicht zur materiellen Äußerlichkeit, die sich Orthodoxie rennt, herabgesunken ist, Männer gibt, die mit Gehörschärfe für die Stimmen der Zeit ausgerüstet, das Judentum in seinem inneren ewigen Gedankengehalte erfassen ind auf eine Neubelebung desselben sorgsam bedacht sind. Und das ist eben daS Wertvoll« an dieser kleinen Schrift, daß sie wie keine zweite dazu geignet ist, die Durchführung der Reform des Judentums als die Lösung der Judenfrage hinzustellcn, während der Zionismus als eine rückständige Idee, weil auf falsche Basis sich aus bauend, Rettung und Erlösung nicht zy, bringen imstande ist. Der Verfasser geht ivn der Ansicht aus, daß der moderne Antisemitismus» der in den letzten Jahrzehnten auf allen Linien entbrannte, wie in früheren Perioden der Geschichte aus religiöjer Unduldsamkeit stamme und daß der Zionismus als eine völlig aussichtslose Gegenbewegung anzusehen sei, der von der Herstellung eines jüdischen Staatswesens in Palästina die endliche wirksame Lösung der Judenfrage erhofft. Es sei von von herein unrichtig und entspricht der Tatsächlichkeit nicht, die Juden als ein Volk zu betrachten, da ihnen die wesentlichsten Merkmale enes solchen, gemeinsame Sprache und ein zusammenhängendes nach ihrem Willen regiertes Landesgebiet, abgehen. Bei einer richtigen Beurteilung tritt es klar zu Tage, daß die Religion einzig und allein die Juden von ihrer Umgebung unterscheidet und es somit j nicht gut angeht, die Juden anders als unter dem Gesichtspunkte einer Religion^genossenschaft zu betrachten, die tief in der Vergangenheit wurzelt, weit in die Zukunft hinausstrebt und die zu ihrem Grundgedanken den Monotheismus hat. lEinfach war der religiöse Kult zur Zeit seiner Begründung. Ohne Tempel, ohne Priel ter, ohne Mysterien und religiöse Zeremonien trat diese Religion in Erscheinu seinem Gott. Dieser bedeutende Veränderungen Eingang und nur der ,g sind Abraham bedurfte keines Mittlers zwischen sich und monotheistische Glaube erlitt erst mit dem Auftreten MosiS Eine Priesterkaste trat auf, religiöse Mysterien fanden Moral- und Sittencodex bildet eine», nie verlöschenden Glanzpunkt in der weiter entwickelten Religion, die an ihrer früheren Einfachheit und