Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1903) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 184 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2969669-2969975-2969983--7007-2977678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

184 jetzt eine der interessantesten Persönlichkeiten des zweiten Kaiserreichs, Maria Bernhard Zauer, ehemaliger Monsignore und Beichtvater der Kaiserin Eugenie, 74 Jahre alt gestorben. In Budapest als der Sohn einer reichen jüdischen Familie geboren, hatte Bauer eine stürmische und vielbewegte Jugend, die ihn nach Untere brechung seiner Studien im Jahre 1848 nach Paris und unter die Truppen Cavaignacs führte. Er trat dann zum Katholizismus über und vollendete die theologischen Studien. In Frankreich, Deutschland und in Wien erwarb er sich den Ruf eines ungewöhnlichen Kanzelredners, der in glanzvoller und moderner Form die religiösen Gefühle so groß, daß Bauer 1866 d Napoleons III. zu kommen einstußreiche Stellung einnah scheinung Monsignore Bauer. das dunkle Haar stets wohlf und geputzt. Auch den Mor seiner Zuhörer zu wecken wußte, und dieser Ruf war (e Einladung erhielt, als Fastenprediger an den Hof Seither blieb Bauer, zum Abbe und später zum Monsignore als Ehrenkanonikus der Diözese Bretagne ernannt, am Hofe der Tniterien, an dem er schon wegen seiner Eigenschaft als Beichtvater der Kaiserin eine ijn- In jener Zeit war auch in seiner äußeren Erder schließlich die Würde eines apostolischen Protonotars erlangte, eine Art nwderfinierte Auflage der Abbes und Monsignores des Hofes von Bersailles im 18 Jahrhundert. Er war der Elegant im Priesterrock, frisiert und parfümiert, das ganze Wesen etwas geziert l signore Bauer stürzte der Krieg von einer Höhe, die, ob sie ihm nun wirklich bedeutsameren Einfluß gab oder nicht, von vielen beneidet wurde- In den Ausaugsstadien des Krieges nahm er auch namhaften Anteil an der Leitung der von der Pariser Presse aufgestellten Ambulanzen, doch kurz nach dem Friedensschlüsse erregte )ie Nachricht, daß Bauer den geistlichen Stand verlassen habe, um Finauzmanr immer mehr in Vergessenheit zu werden, das größte Aussehen. Seither geriet er L Hie und da konnte man den alten ^errn zu Pferde am Morgen im Bonlogner Wäldchen sehen, und auch den älteren Stammgästen des Cafe de la Paix war der kleine Herr mit weißen Haaren und glattrasiertem Gesichte, in stets dunkler Kleidung, der jeden Nachmittag gegen 2 Uhr erschien, eine bekannte Figur Erst in Jahre 1899 erinnerte sich seiner die große Öffentlichkeit wieder, als die Nachricht bekannt wurde, daß er sich mit einer Sängerin, mit der er schon lauge Beziehungen unterhielt, vermählt habe. Den Winter pflegte Bauer in Nizza zu verbringen, und es geschah wiederholt, daß ihm die greise Kaiserin auf ihren Promen-aden dort begegnete; doch niemals richtete sie ein Wort an ihn und auch Bauer hatt: stets den Takt, ohne ein Zeichen des Erkennens vorbeizugehen. — Aus Genf wird gemeldet: Der Orientalist, ordentliche Professor Dr. Josef Wertheimer feierte am 22. Mai seinen 70. Geburtstag. Zu Sülz geboren, promovierte Wertheimer 1851 in Straßburg zum Iicencie en lettres und 1857 in Metz zum l)r. theol. Am 26. September 1873 lvurde er stellvertretender Professor für Linguistik imb Philologie und am 24. Juli 1874 ordentlicher Professor an der Uuiversi'ät Genf. Von seinen Schriften seien genannt:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.