Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 185 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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„Les Juifs de locident et Judaisme moderne“ (1862), „Les Juifs et le Judaisme dans la Societe moderne (1883), „La linguistique“ (1877) und „Le Talmud, histoire de sa formation“ (1880). — Ende April fand im Saale der Zivil-Ingenieure in Paris die General-Versammlung der Alliapze Jsraelite statt, in welcher Mitglieder des Zentralkomitees aus Deutschland, Holland, Belgien und Dänemark sich eingefuuden hatten. Unter anderen Gästen war auch Anatole Leroy Seaulieu erschienen. Der Präsident Narcisse Leven gab einen Bericht über die Lage der Juden seit Begründung der Allianz. Es seien zwei Perioden deutlich erkennbar, die eine bis zum Berliner Vertrag von 1878, in welcher die Ideen der französischen Revolution in Europa mehr und mehr zur Anerkennung gelangt sind, die zweite, in welcher nationaler und konfessioneller Haß um sich griff, unter welchem die Juden zu leiden hatten. Er besprach die Ausnahmegesetze gegen die Juden in Rußland und Rumänien, die Entstehung des Antisemitismus in Deutschland mtb seine Verbreitung nach Rußland, Oesterreich und schließlich Frankreich, wo er in die Dreyfns-Affüre auslief. Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts scheine wieder eine Wendung zum Besseren einzutreten, wofür namentlich das Zirkular des Staatssekretärs Hay ein erfreuliches Zeichen sei. Der Generalsekretär erstattete sodann Bericht über die Wirksamkeit der Allianz seit 1895. Sie habe jetzt 30000 Schüler in den Elementarschulen und 1000 Zöglinge in den Werkstätten, 250 in Ackerbanschulen, 120 Mädchen und junge Leute, welche für das Lehramt ausgebildet werden, endlich ein Rabbinerseminar in Konstantinopel für den Orient und Nord-Afrika. Er betonte mit besonderem Nachdruck, daß die Allianze es als ihre hauptsächliche Ausgabe betrachte, für die religiöse Erziehung zu sorgen, es sei deshalb erforderlich geworden, an Orten, an welchen es an guten (nichtjüdischen) Schulen nicht fehle, Schule oder Religionskurse einzurichten. Dies sei namentlich in Egypten und Algier der Fall gewesen. Ein Brief des Direktors der Schule in Fez (eines türkischen Juden), der sich geweigert hat, einer an alle Europäer zugegangenen Aufforderung der europäischen Konsilien zum Verlassen der Stadt zu folgen und erklärt hat, seine Glaubensgenossen in der Stunde der Gefahr nicht verlassen zu wollen, gab ihm Gelegenheit, der aufopfernden Tätigkeit des Lehrpersonals der Allianz die Anerkennung der Allianze auszusprechen. Sodaun erstattete der Kassierer Bericht über Einnahmen und Ausgaben. Er beklagte, daß die Zahl der Mitglieder einen erheblichen Rückgang, namentlich auch in Paris aufweise und daß es erforderlich sei, die Propaganda, die in den letzten Jahren vollständig vernachlässigt worden sei, wieder aufzunehmen. Der Oberrabbiner von Frankreich, Herr Zadoc Kahn, dankte den von auswärts erschienenen Mitgliedern für das bewiesene Interesse; das Erscheinen der ausländischen Mitglieder sei ein Beweis, daß die Allianze ihrem Programm, keiner einzelnen Nation anzugehören, sondern universell zu sein, treu geblieben ist. Zum Schluß gaben von den auswärtigen Mitgliedern des Zentralkomitees in deutscher Sprache die Herren vr. Heinrich