Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 183 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberherrschaft, zum letzten Lebenszucken des entsterbenden, selbständigen, staatlichen .A und völklichen Organismus. Unter seiner psychologischen Begründung mit ziemlich genauer Anlehnung an die spärlich überlieferten geschichtlichen Tatsachen entrollen ' sich vor unserem Auge die wichtigen Borgänge von Mut, Begeisterung und Freihritsliebk, wir empfinden selber den Drang nach Unabhängigkeit und nach eigenartigem völkischem Wesen mit. Ein Schwung durchzittert das Werk, eine dramatische Kraft belebt das ganze, eine tiefe Institution bringt es uns! besonders nah, wenn auch die Dimension des Poems etwas unvorteilhaft wirkt. Es wurde Ben Akibas Rede ander großen Znsanimenkunft des jüdischen Volkes in Bvt-Rininion <11. Gesang) rezitiert. Über kleinere epische »nd lyrischepische Dichtungen (sie wurde» angeführt unter zutressender Charakteristik), über die biblisch Novelle Abisag, Trilogie von Simso», kam das feine Lustspiel „der hohe Rabbi Löw" a» die Reihe und die rührende Elegie „Am alten jüdischen Friedhof", die in eigener Übersetzung des Herrn Rednerbruchstückweise vorgelesen ivurde. Zum Schluß führte der Vortragende noch Vrchlicky- - Übersetzungen an, welche jüdische Stoffe behandeln. Es sind dies verschiedene Para» - Phrasen, so z. B. aus dem Divan des Jehnda Haleri, Gabirols Sentenzen, ferner wurde» die Übertragung des „Kain" von Leconte des Liste, „des schlafenden Booz" - von Viktor Hugo, „Moses und Samsons Zorn" Vigny, dann Byrons „Hebräische Melodien" sowohl die erste Umdichtung die es überhaupt gab, von den feurigen, elendgetränkten Liedern des Morris Rosenfeld namhaft gemacht. Zuletzt wird noch . ein Vrchlicky'sches Libretto nach Shakespeares „Kaufmann von Venedig" für eine gleichnamige, künftige Oper von Trnecek angedeutet. — Der Vortragende versuchte »ach eigenen Worten in seiner gediegenen Leistung auf einen Dichter aufmerffam zu machen, der kosmopolitisch veranlagt bis in das Graue» der düsteren Vorzeit gedrungen, den bunten Werdegang und die an Wechselsällen reiche Geschichte verschiedenster Völker durchstreift, alle längst verklungenen Kulturen in sich ausnahm, er versuchte auf einen Poeten der trotz eines feinen, reif gearteten Artismus sein - Augenmerk den Fragen der Gegenwart zuwendet, das Interesse zu lenken und zu zeigen, wie dieser Man» im wilde» Tosen der Parteikämpfe unerschüttert das Banner seinehohen Humanitäts-Jdeales schivenkt in dem Bildungsdrange seines eigenen Volkes, dem er Übermenschliches geleistet, loyal tolerant die Bedeutung anderer anerkennt «nd unter de» bedrückten seine Sympathien besonders dem Judentunie schenkt. — Die Akademie der Wissenschaften in Wien'hielt eine Festsitzung ab, in der der Orientalist Hofrat Karabaczek über die Ergebnisse der zweiten Reise des Prof. Musil berichtete, der unter anderem feststellte, daß der gegenwärtige Berg Sinai nicht identisch sei mit dem biblichen Berg Sinai, sondern daß dieser sich südöstlich von Elakaba befinde, wohin auch die Stationen der im Exodus angegebenen Route führen. Weitere Resultate seiner Reise bestehen in der Auffindung von Überrestes altisraelitischer Kultusstätten, _ von 20 hebräischen Inschriften sowie in ethnographischen Aufzeichnungen über den Ursprung und die Entwicklung der einzelnen Judenstämme. — I» Paris ist ■