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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1903) · p. Seite 175

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 175 (sequence 33)
Language
German
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175 ein Heer von Blut und Tränen, ein Heer von Jammer und Unglück, 2) weil aber/ unter allen Religionen nur Israel allein diesen Grundsatz kennt, so gilt heute noch vom jüdischen Stamme das Wort „unesaticho leor gojim,“ ich mache dich Israel ' durch deine Religion die den Menschen nur nach dem Menschen und nicht nach seinem Glauben beurteilt, zum Lichte der Völker. Allein gerade diese hohe und edle Mission, durch seine Religion ein Licht der Völker zu werden, ist die Grund» Ursache für den tiefen Haß, unter dem Israel seit mehr denn 18 Jahrhunderten zu leiden hat> Wäre der jüdische Stamm zugleich mit der Zerstörung seines Heiligtums untergegangen, nun dann würde man seine Bedeutung ebenso anerkannt haben wie die Griechenlands, Roms, aber Israel lebte weiter fort, Israel lebt heute noch und das konnte man und kann man dem jüdischen Stamme nicht verzeihen. Man vergaß gleich jenen undankbaren Töchtern der Sage, daß man Israel daS schönste und herrlichste, die Gebote der Nächstenliebe und Humanität, verdanke. Fast zwei Jahrtausende lehrte man, Jsraelsei verworfen und verflucht, keinWundem daher daß der religiöse Fanatismus die Herzen vergiftete und die Grundursache wurde für die unsäglichen Leiden, Qualen und Martern, denen Israel nicht bloß im finstern Mittelalter ausgesetzt war, sondern auch in unserem aufgeklärten 20. Jahrhundert. Jene verruchten Greueltateu, Schandtaten und Freveltaten, die vor kurzem an unseren Glaubensbrüderu im russischen Reiche ausgeübt wurden, auch sie finden ihre Grundursache im religiösen Fanatismus. Wohl kann nicht geleugnet werden, daß auch niedriger Neid, gemeine Habgier und Unzufriedenheit mit den Ber» hältnissen eine nicht unbedeutente Rolle im Kampfe gegen den jüdischen Stamm spielen, daß aber gerade immer bei jeder Unzufriedenheit Söhne des jüdischen Stammeals Opfer ausersehen werden, das liegt leider darin, daß man fast zwei Jahrtausende religiösen Haß in die Herzen gesäet. Israel für verworfen und verflucht erklärt,' und die Gemüter dadurch vergiftet hat. Weil aber Israel wohl die Liebe zum eigenen Glauben, aber auch die Achtung vor jedem fremden Glauben lehrt, weil die jüdische Religion in jedem Menschen das Ebenbild Gottes sieht, der diefe- Ebeubild nicht nur durch fluchwürdige Taten schändet, weil die jüdische Religion erklärt, die Frommen aller Nationen haben Anteil der künftigen Seligkeit, darum gilt heute noch von uns das Wort „unesaticho leor gojim“ „ich mache dich zum Lichte der Völker. n. M. A! Als im 12. Jahrhundert eine Verfolgung des jüdischen Stammes in Arabien ausbrach, die bei weitem nicht heranreicht au die Greueltaten in Beßarabien, da sandte der berühmte, gelehrte Maimonides ein Schreiben an seine Glaubensbrüder, in welchem er bemerkt: Weil Gott uns durch seine Gnade ausgezeichnet und zu § 2) Bgl. W. E. H. Lecky, Geschichte des Ursprunges und Einflusses der Aufklärung in Europa. Deutsch von H. Jolowicz. I. Bd. S. 293 ff. Auf S. 298 heißt es daselbst: „Als Luther das BekennttuS Zwinglis von der Seligkeit aller Frommen las, verzweifelte er an der Seligkeit Zwinglis."

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