Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 172 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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'"WMMbt' '^!L — 172 — aus Lenau und die Juden. Bon Rabb. Dr. Biach (Brüx). Mkol Jüngst wurde in Csatad, einem Marktstecken unweit Temesvar in Ungarn, der hundertjährige Geburtstag Lenans in besonders feierlicher Weise begangen und der Grundstein zu einem Denkmale des edlen, unglücklichen Dichters gelegt. Es dürfte daher wohl amPlatze sein, die Beziehungen Lenaus zu den Inden klarzulegen. Daß Lenau mit B^rthold Auerbach und Ludwig A. Frankl innig befreundet war, darf wohl als begannt vorausgesetzt werde»; weniger bekannt aber ist wohl Lenaus Urteil über den Äkeister des Gesanges, Professor Sulzer, und den Meister lyrischer Dichtkunst Heinrich Heine. In einem Briefe vom 14. März 1836 schreibt Lenau: „Mein Leben ist jetzt ganz kunstbewegt. Fast kein Tag vergeht, der mir irgend einen herrlischen nüsikalischen Genuß bringt. So hört' ich heute abends den Vorsänger der hiesigen Synagoge, Sulzer, der sehr wahrscheinlich die schönste Stimnie in Deutschland!hat." Uber Heine bemerkt er in einem Briefe vom 13. Oktober 1844: „In i^m steckt ein großer Dichter, vielleicht der größte Lyriker. Heine ist uns sehr notwendiä. Dies Element in der Literatur kann man gar nicht entbehren." In einem Briefe vom 6. Juli 1843 schreibt Lenau über einen Rabbiner aus Galizien, Bernhard Bickenthal: „Auch ein junger Jude nimmt gegenwärtig meine Bernhard Birkenthal, Rabbiner aus Galizien, gründlicher und christlichen Theologie, macht eine Reise durch ganz >ßen Absicht, das Judentum überall von innen heraus zu sittlich intellektuell, ja sogar auch bürgerlich, der übrigen Er besitzt eine eminente Beredsamkeit und hat in de^ Nachdruck in seinen Reden, als wäre er von prophetischem :age später, am 17. Juli 1.843 schreibt er über ihn: Der -ölen, Birkenthal besucht mich oft und unterhält mich mit seinen reformatorischen Plänen zuweilen nicht übel. Doch fehlt es seinen Tendenzen ai^einer festen philosophischen Grundlage. Ein hitziges Verfolgen der Details mit Außerachtlassung der Hauptpunkte der Diskussion läßt seinen Verstand mir oft wie eine» Hühnerhund er cheinen, der, nicht richtig dressiert in seinem übelverstandenen Eifer Spatzen sieht statt Hühner und Hasen. Höchst merkwürdig bleibt mir der Mann indessen immer durch die ideale Haltung seiner ganzen Tätigkeit und die rastlose Aufopferung an fernliegende, wohl unerreichbare Reformen der Judenschaft." Höchst ergreifend ist es wie Lenau in seinem „Savonarola,, den wahnsinnigen Juden Tubal schildert: | ' „Dch armer Jude! Jst's ein Wunder, Teilnahme in Anspruch Gelehrter der jüdischen Deutschland in der geo reformieren und dasseb Menschheit gleichzustelle» Tat einen Eifer und eine Eifer ergriffen." Elf T kleine Rabbiner ans P We Und Dir n« deine Sinne sich verirrt wenn des Wahnsinns grauser Plunder zornig von den Lippen schwirrt?