Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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164 der Gattin des schätztes Schreiben und Lobkowitz, sein Glanz steige hoch, zu dem französischen Feldherrn Duc de Belle Islg und verlangten von ihn, daß er dem Juden R. Jsak Austerlitz die Freiheit und Erlaubnis gebe von Prag zu reisen, auf welchem Wege er wolle, mit seiner Frau, seinen! Sohne, seinem Diener und seinen Verwandten Frau Lebiah (Leontine), R. Selig Rosenberg und ihren Kindern; er schickte auch ein geeinen Freibrief, Paß genannt, in ihre Hand, daß österreichisches Militär ihnen das Geleite geben solle; ebenso werden die Einwohner der Provinz ihnen helfen m b beistehen auf den Wegen, damit R. Jsak Austerlitz samt Frau und Kindern mit der Hilfe Gottes an das Ziel ihres Wunsches gelangen und zwar in Frieden ohne jedes böse Begebnis. Als der französische Feldherr das ehrende Schreiben und jeine Gewichtigkeit sah, gab er ihm ebenfalls ein solches, eigenhändig geschrieben, damit sie von hier und in der Umgegend der Stadt ohne Furcht und Schrecken vor seinem Herrn reisen können. Die ganze Stadt war in Aufregung über diese wunderbar, große Ehre und Montag am 15. d. M. reiste R. Jsak Austerlitz mit j einer Frau, seinen Kindern und Verwandten, wie oben gemeldet wurde, in großer Ehre nachmittags von Prag auf einem Wagen zu hohem Preise in Frieden. Am Neumondtace Kislew 503 d. Kl. Z. kam das österreichische Heer in den Ort Leitmeritz, wo an 1000 Mann Franzosen lange Zeit waren und die Stadtmauern, Gräben, Kanäle und Holzschichten, die Pallisaden heißen, förmlich zu einer großen Festung ansbauten, die Stadt wurde mit Sturm genommen sowohl durch die Husaren und Panduren, die behendig auf Leitern die Mauern erstiegen, als auch durch die großen nnd kleinen Brandrohre. Mehrere hunderttansende Strich Roggen, Gerste, Grütze, Reis und Hirse (wieder 'genommen) und die Franzosen waren in der Stadt nach Regel der Gefangenen. Am 17. Kislew d. I. wurde zu wiederholten Malen im Aufträge der französischen Befehlshaber auf dem Rathause in der Altstadt ausgerufen, daß um 8 Uhr abends kein Weibgeborener auf der Straße gehe. Wenn sie mit Pauken in den Krieg gehen, soll jeder eine Laterne, in der ein Licht brennt, vor das Fenster stellen, aber man darf vor die Türe gehen, um zu sehen, was geschieht und warum mau mit Pauken geht^ jeder soll in seinem Hause auf den Dachböden Wasser haben; in der Nacht, nachdem man Zeichen gegeben hat, den sogenannten Zapfenstreich, müssen bei Todesstrafe alle Schankhäuser geschlossen werden. Den 19. Kislew d. I. um Mittag und die ganze Nacht zogen die Kommandanten Duc de Belle-Jsle und Jntant Scheschel mit den übrigen Heerführern und etwa 15000 Soldaten, Franzosen und wenige Baiern aus der Stadt Prag; ihnen folgten eine kleine Kavallerietrupp und Wagen samt ihrem ganzen Gepäcke und einigen kleinen Rohren, Feldstücke genannt. Sie zogen in Verwirrung und großem Schrecken, „traurig und mit verhülltem Haupte" mutlos, sogar unter strömenden Tränen. Ebenso ritten mit ihnen die Juden, nämlich B e r ch e M e z