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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1903) · p. Seite 157

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 157 (sequence 15)
Language
German
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in seinem Innern lebenden Ideal ganz in Widerspruch stehen. Er erregt sich, schreit Zeter über all das Böse, das unter der Sonne geschieht, aber er glaubt, daß Alles zum Guten sich verwandeln kann und versucht in der Tat, Alles zum Guten zu verändern, indem er erstens sich selbst verändert und dann dadurch — daß er Andere beeinflußt ihre Ideen und Taten, zu verändern. Alles auf der Welt ist schlimm, aber es ist doch eine gute Sache vorhanden: die Erkenntnis des Bösen. Das Vorhandensein dieser Erkenntnis ist ein Beweis, daß das Schlimme aus der ganzen menschlichen Welt getilgt und entwurzelt werden kann und soll. Wenn das Böse der menschlichen Natur in dem Maße eigen wäre, daß sie sich seiner nicht entäußern könne, würde sie zu ihm keinen Widerspruch empfinden. Dieser innere Widerspruch zum Bösen erfordert nur Pflege und das in diesem Grade, daß er in uns Wurzel fasse und zur zweiten Natur werde. Dann, wenn wir auch die bösen Instinkte nicht ganz getilgt haben, schwächen wir allmählich ihre Kraft und gewöhnen uns ans Gute. Diese Gewöhnung ist mit Hilfe des Predigens zu erlangen, des Predigens auf öffentlichen Plätzen, nach Art der Propheten in alten Zeiten oder in den öffentlichen Lokalen von heute; auch durch Erziehung und Literatur, welche sowohl auf die Großen wie auch auf die Kleinen wirken. Eine derartige Idealität, welche der Erkenntnis des Bösen nach seiner ganzen Stärke und Größe und dem gleichzeitigen Glauben an die Möglichkeit seiner Ausrottung und Vertilgung, entstammt, war das Eigentum der wahren Geistesheroen, und solche waren unsere Propheten in alten Zeiten. Groß und erhaben waren diese Männer. Einerseits entfernten sie sich vom Leben, weil sie sich in ihr Inneres zurückzogen, so daß die „Männer der Tat" zu sagen pflegten: „Der Prophet ist ein Narr, der Mann des Geistes verwirrt" und andererseits — wer noch wie sie fühlte den ganzen Schmerz und die Bitternis des Lebens, sah den Betrug, die Falschheit und all die Torheiten, von denen die fürchterliche Wirklichkeit erfüllt ist? Wer noch wie sie spürte den großen Unterschied zwischen dem was ist und dem was sein soll, sah den tiefen Abgrund zwischen dem Seienden und dem Sein-Sollenden? Ihre große Idealität verblendete nicht ihre Angen, das Leben wie es ist, zu sehen; umgekehrt, ihr klarer Blick und ihr tiefes Eindringen in das Innere aller Taten, die vor ihren Augen und zu ihren Zeiten, geschahen, gaben ihnen die Möglichkeit das zu sehen, was zu ihren Zeiten die „Männer der Tat" nicht sahen — das Künftige. Das waren wahre Idealisten, deren Idealität aus großer Realität aus Kenntnis des Zustandes wie er ist, entstand. Diese Erkenntnis war es, die den starken Widerspruch des innern, ihrem Herzen eingeprägten Ideals zur groben und ekeln Wirklichkeit, welche während der Tyrannei der Könige des Ostens herrschte, geschaffen hat. Nur eine solche Idealität kann eine feste Grundlage zu moralischem Wirken sein, das auf die Welt in unserer realistischen Zeit Einfluß haben könnte. Sie soll dem Gefühle eingeprägt, aber durch den Verstand, der das Leben wie es ist, kennt,

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