Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 156 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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156 AnLeLektuekke geisterung jener nicht kennt und sich t^i MervolkKommnung und moralische Erkenntnis. Von Josef Klans «er. Äus dem Hebräischen übersetzt von £. Meisels. (Schluß.) Wenn wir über „Idealismus" sprechen, sind wir gewohnt uns die Befugend vorzustellen, welche das Leben wie es ist ganz und gar lt schönen Träumen, Produkten ihrer erhitzten Phantasie, begnügt, ohne die Menschen und ihre bösen Instinkte zu kennen, ohne mit der von Mißgriffen und Fehljschlägen vollen Realwelt znsammengestoßen zu haben. Der Idealismus von dieser Art ward unserer Zeit zu Spott und Hohn — und das mit Recht, denn eine oberflächliche, der Unkenntnis der Wirklichkeit entstammende Begeisterung, kann unmöglich einen größeren Wert haben. Sie führt nach dem ersten Zusamlnentrefftst mit der Wirklichkeit eine furchtbare Enttäuschung mit sich, und verschwindet nach den ersten Prüfungen, denen der Mensch im Leben unterzogen wird. Überhaupt kann eine Sache, welche ohne Kampf und seelische Anstrengung erworben wurde, keiner größern Wert haben Die feurige Jugend oder die einfältigen Menschen, welche ihr ganzes Leben lang Kinder bleiben/ sie kämpften doch nicht für diese ihre Idealität; sie erwarben sie nicht mit dem Blute ihres Herzens und dem Marke ihrer Gebeine. Diese Idealität ist nur eine Art vornehme „Individualität." Die feurige, erfahrungslose Jugend ist meistens darum idealistisch, weil es ihr a n g e n e h m ist, das zu sein. Wenn sie aber notwendigerweise mit den ehernen Gesetzen der Umgebung — ijnb den bösen Instinkten der Menschen Zusammentreffen, kommen diese Idealisten zu einer bittern Enttäuschung, verwerfen ihre Ideale, klagen über die Menschen und die Weltordnung und werden entweder pessimistische Träumer, die in ihrer Welt nichts als Enttäuschung und Klagen haben, oder — gleichen sich strit dem verdorbenen Leben aus, indem sie grobe Materialisten werden und über ihre Jugendideale wie über Träume und Schwärmereien, die keinen Platz im praktischen Leben haben, lachen. Das ist der Idealismus, den man auf dem Lebensmarkt findet und der in seinem moralischen Wtrte iure auch in seinen praktischen Resultaten minderwertig ist. Es gibt aber (eilte Idealität, die von ganz anderer Art ist. Es gibt eine Idealität, die nicht der Unkenntnis des Lebens und bem Mangel an Verständnis für die bittere Wirklichkeit entspringt, aber umgekehrt, einer großen Kenntnis der Wirklichkeit, einer tiefen Kritik, die alle Tiefen des Lebens durchdringt und seine vielen Mängel und Unrichtigkeiten aufdeckt, entstammt Ein Mann, in dessen Innern ein geistiger Zentralgedanke und ein sittliches Ideal leben, erblickt in der Wirklichkeit, je mehr er sie betrachtet immer mehr Mängel und Verirrtheiten, die mit dem