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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1903) · p. Seite 155

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 155 (sequence 13)
Language
German
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I =) Üj ü 5 i i h' ) schiedene Formen desselben bei manchen Völkern und zu mancherlei Zeiten gegeben, trotzdem das Volk Israel das klassische Volk des Monotheismus ist und bleibt. In Israel ist dieser Monotheismus autochthon entstanden. Die große historische Wirkmrg, auf die es ankommt, ist in diesem Punkte nicht von Babylonien ausgegangen, sondern von Israel. Wenn man das Wesentliche, Ausschlaggebende sieht, so muß man doch anerkennen, daß Israels Religion in der klassischen Zeit Babel gegenüber selbständig ist. Wenn babylonische und biblische Religion verglichen werden solle», welcher Unparteiische kann da zweifeln» auf welche Seite er sich zu stellen hat? Dort der krasse Polytheismus, hier in der klassischen Zeit der Monotheismus; die babylonische Religion ganz durchzogen von Zauberei, die deu großen Propheten Israels tief zu Füßen liegt; dort die Verehrung der Bilder, hier die Bildlosigkeit im jüdischen Kultus. Wo hat die babylonische Welt Gestalten wie die großen religiösen Figuren der Propheten, den zornigen Amos, den majestätischen Jesaias, den tiefen und zarten Jeremias,' von Moses und Elias ganz zu schweigen. Bel ist gefallen und Nebo gestürzt, aber durch die Jahrtausende erschallt der brausende Jubelruf der Sänger Israels: wer ist Jahve wie du unter den Göttern! Und nun behandelt Gunkel noch zum Schluffe die Frage der Offenbarung und schreibt: „Wir begrüßen Delitzsch als einen Bundesgenossen im Kampfe gegen den Wahn, als ob das alte Testament wirklich inspiriert, als ob seine Religion gewisserinaßen vom Himmel gefallen sei. Die Gegner, die Delitzsch bekämpft, existieren wenigstens unter den akademischen Theologen nicht mehr; und die Türen, die er mit so schönem Eifer einrennt, stehen schon lange offen. Die Theologie hat in allen Lagen jenen orthodoxen Jnspirationsglauben längst fallen gelassen und auch der Glaube, daß die alte israelitische Religion nicht geschichtlich, sondern übernatürlich entstanden sei, wird schwerlich von irgend einem evangelischen deutschen Theologen verteidigt. Gottes Offenbarung erkennen wir in den großen Personen der Religion, die in ihrem tiefsten Innern das heilige Geheimnis erfahren und mit Flammenzungen davon reden;. Gottes Offenbarung sehen wir in den großen Wendungen und wunderbaren Fügungen der Geschichte. Kinderglaube meint in alter und neuer Zeit, Gott habe die Tafeln des Gesetzes mit eigener Hand beschrieben und dem Mose überreicht. Die israelitische Religion ist ein wahres Wunder unter den Religionen des antiken Orients. Dies ist die Religion, von der wir abhängig sind, von der wir immer noch zu lernen haben, auf deren Boden unsere ganze Kultur gebaut ist. Wir sind Israeliten in der Religion, so wie wir Griechen sind in Kunst und Römer im Recht. Israel ist und bleibt das Volk der Offenbarung. Wir können nach diesen lichtvollen Ausführungen die neueste Schrift Gunkel's unseren Lesern nur auf's wärmste empfehlen. ■■a 1 i

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