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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1903) · p. Seite 151

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 151 (sequence 9)
Language
German
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' . ' — 151 ' - - ' " alle anderen Kollektivitäten, Adressen an ihn verfaßt und dem Statthalter Flaccus zur Beförderung nach Rom eingehändigt, worin die für den neuen Kaiser von der jüdischen Gemeinde beschlossenen Ehren und die Versicherungen ihrer Ehr^ furcht und Treue kundgetan waren. Derselbe hatte aber, ungeachtet der Versicherung, daß er Alles mit dem besten Zeugnisse für die Juden einsenden werde, die Adressen liegen gelassen. Die übrige Bevölkerung dagegen, schon von alter Zeit her gewöhnt, göttliche Attribute und Namen nicht nur an Menschen, sondern sogar an Tiere zu verschwenden, eilte, den neuen Kaiser immer aufs neue als Gott auszurufen, was denn in dem Tagblatt (Maueranschlag) das zu Alexandria nach dem Vorgang der Hauptstadt (Roms) erschien, ausführlich und wiederholt berichtet wurde, svdaß Casus nichts so gern las, wie dieses Tagblatt. Der Pöbel Von Alexandria fand sich nach bem Tode Tibers (Casus' Vorgänger) der im ganzen Reiche strenge Ordnung gehalten hatte, jetzt der Furcht entledigt, die seinen Grimme gegen die Juden bisher einen Zaum anlegte; und der Statthalter, welcher beim Kaiser nicht in Gunst stand, wagte es nicht dem Pobel, welcher so große Anhänglichkeit und Verehrung für Casus an den Tag legte, entgegenzutreten. Zuerst wurden also die Juden aus vier Distrikten der Stadt ansgetrieben: sie sollten nur den einen, fünften/ noch bewohnen dürfen und mußten denn zahllose Menschen, die in diesem keinen Platz fanden, sich draußen am Ufer und auf den Grabstätten anfhalten. Zugleich wurden die Häuser der Ansgetriebenen geplündert, so daß diese dem bittersten Mangel preisgegeben waren. Diese Verfolgungen hatten schon begonnen, als Herodes Agrippa, Enkel des (jüdischen) Königs Herodes, nach Erlaubnis und Anweisung des Casus, der ihm wohlwollte, auf seiner Reise von Rom nach Judäa über Alexandria kam. Der Haß und der Hohn der feindseligen Bevölkerung der Stadt wandte sich nun gegen Agrippa für die Zeit seiner Anwesenheit und Flacxus, neidisch darüber, daß ein Gewalthaber höhern Ranges ihn vor seinen Untergebenes in Schatten stellen sollte, hinderte den Pöbel nicht, denselben sogar öffentlich zu verhöhnen. Die Juden aber machten sich die Gelegenheit zu Nutzen, durch Agrippa, der nach Ordnung seiner Sachen in Judäa wieder nach Rom reisen sollte, ihre Klagen wider Flaccus zugleich mit den von diesem znrückgehaltenen Adresseu an den Kaiser gelangen zu lassen. Als Agrippa Alexandria verlassen hatte, erneuerten sich die Verfolgernngen^r Juden in verstärktem Grade. Dieselben konnten sich nirgends in Alexandria sehen lassen, ohne mit Knütteln niedergeschlagen, gesteinigt, ja mit Feuer und Schwert angegriffen und gemordet zn werden. . Dann aber gab sie der Statthalter nicht nur preis, sondern er verfuhr gegen die Opfer der aufrührerischen Bewegung in der Stadt gerade so, als ob sie die Aufrührer wären; er ließ achtunddreißig Älteste der Juden, die inan in ihren Hänsern fand, in Ketten nach dem Theater führen und angesichts der feindseligen Menge grausam durchpeitschen, so daß manche derselben unter den Streichen ihren Geist aufgaben; und das geschah an solchen, die vorher in ihren Hänsern von dem rasenden Volke über-

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