Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 150 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 150 — und unwissenden ^ei )en. Wenn es daher heißt, die Inden haben ein Christenkind zu Ostern geschlachtet , weil es vermißt wird, oder sie haben ein Christusbild durchstochen und angespieen, so gibt es höchstens ein bißchen Krawall, wie in Kischinew — mehr nicht Deswegen mußte ein Ausbruch der Roheit unter den gottverlassenen und von der Gnadensönni: des Heilands nicht beschienenen Heiden ganz andere Dimensionen annehmen, wenn auch manche Einzelheiten — er ist nicht mehr wie menschlich — den Kischinewer Ereignissen merkwürdig ähnlich gewesen sind. Darum soll der Vorfall jetzt auch; ans den verstaubten Geschichtsbüchern hervorgeholt werden, um zu zeigen, wie segensreich nach dieser Richtung die 18 Jahrhunderte hindurch kraftvoll und'rein gepredigte Menschenliebe (ich zitiere noch einmal Harnack) auf die Welt seitdem gewirkt hat. Also es war 'zur Zeit des herzlosen Heiden Casus Caesar Calizula. Ihn selbst kennt jedes Schulkind, seine Zeitgenossen und Untertanen kann man sich vorstellen, wenn man! bedenkt, was sie sich von ihm gefallen und daß sie einem solchen Scheusal wirkliche göttliche Verehrung zu Teil werden ließen. Die damaligen Repräsentanten der Kultur und ihre Auffassung von Gerechtigkeit und anderen ethischen Prinzipien gl auben wir mit dem Beispiel des Tacitus genügend charakterisiert zu haben- Was nur von ihm in Betracht der Juden zitiert haben, ist nur ein kleiner Bruchteil mtl Bruchteils, das meiste ist verloren gegangen, vielleicht auch von irgend einem frommen Mönch der Nachwelt vorenthalten worden, weil es neben dem vielen unhaltbaren Unsinn über die Juden unwillkürlich die eine oder die andere rühmende Tatsache, wie die schon angeführten Bemerkungen betreffend deren Arbeits- und Kcicgstüchtigkeit und ihr Zusammenhalten erwähnt haben mochte. Jedenfalls war der kritiklose Nonsens überwiegend und mag mehrere Kuhhäute gefüllt haben. Aus! dem uns Geretteten können wir aber schon schließen, was erst der liebe Pöbel ü^ber dieses rätselhafte Volk, das keine Götter kannte, gedacht und geglaubt haben mäg.! Genug, die Juden waren mit oder ohne Tacitäischen Kommentar zu ihren Brällchen, schon damals ebenso gründlich gehaßt, wie jetzt nach den respekteinflößenden I Forschungen eines Lagarde, Rohling, Stöcker, H. St- Chamberlain u. A. und bje Waschweiber von Könitz und Kischinew nebst ihren Protektoren von der Staatsbürger Zeitung und dem Bessarabez haben sicherlich im alten Alexandrien, wohiy mir nun den Leser führen wollen, ihre würdigen Vorgänger resp. Vorgängerinnen gehabt. Lassen wir nun den Geschichtsschreiber selbst sprechen. Die vom Theologen D. Carl Ludwig Roth verfaßten Supplemente zu Tacitus Annalen lauten im Kap. 25 folgendermaßen: „In Alexandna, der zweiten Ssadt des (römischen) Reiches, lebte eine sehr große Anzahl Julien mit Handel beschäftigt, neben und unter der noch stärkeren griechisch-ägyptisch« n Bevölkerung, die ihnen jedoch nichts. weniger wie freundliche 'Gefühle entgegenbrachte.. Bei des Cajus Thronbesteigung hatten die Juden, wie