Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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h Wesen". . . So dulden sie denn keinerlei Bilder in ihren Städten, viel weniger m ihren Tempeln." . . . Entgegen der Annahme, daß sie vielleicht den Gott Liber (Bacchus) verehren, bemerkt er „Liber hat einen festlichen und fröhlichen Dienst eingeführt, während der Juden Brauch widersinnig und armselig ist.".. Im Kap. 8 heißt es: „So lange das Morgenland unter der Hand der Assyrer, Meder und Perser war, galten sie (die Juden) für die. Verachteste Klasse der knechteten. Als aber die Oberhand an Mazedonien kam, versuchte der König Antiochus (durch den Befehl seine Statue im Tempel zu Jerusalem aufzustellen und ihr göttliche Belehrung darznbringen, wodurch bekanntlich die' Makkabäerkämpfe veranlaßt wurden) sie von ihrem religiösen Wahne frei zu machen und ihnen griechische Art beizubringen, wurde aber durch den parthischen Krieg daran gehindert, eine heilsame Umwandlung bei dem widerlichen Volke hervorzubringen. Alle diese Zitate sollen nur zweierlei beweisen: erstens was für jämmerliche Resultate die Geschichtsschreibung zu Wege bringt, wenn sie nicht nach unparteiischen - und objektiven Grundsätzen gehandhabt (vgl. Chamberlaiu, Delitzsch und Harnäck), sondern lediglich von Sym- oder Antipathien abhängt, zweitens, daß man auch zu der Zeit, als mau deu Juden beim besten Willen noch nicht Geldgier und Feigheit als Rassenfehler vorwerfen konnte, um andere schöne Dinge auch nicht in Verlegenheit zu komnleu brauchte. Wliere there is a will, tliere is a o way. Fähigkeit zu schweren Arbeiten und Todesverachtung im Kampf um Freiheit und Vaterland muß ihnen der unbefangene, geistreiche Verfasser der Annalen uoleus volens als Nationaltugenden auch nachrühmen aber das hindert ihn nicht, sie ihrer oben geschilderten Religion und Gebräuche wegen mit den oben mitgeteitten schmeichelhaften Adjektiven zu belegen. Nun muß mau wissen, daß Taeitus zur Zeit eines Nero, Otho, Vitellins und Domitian gelebt hat und das Leben dieser und anderer Cäsaren und der Kaiserinnen Agrippina und Nessalina, sowie andere ungezählte Greuel der damaligen Welt selbst so schildert, wie sie in einer Zeitschrift nicht einmal andeutungsweise wiedergegeben werden dürfen Den Blödsinn über die jüdische Religion konnte er auch nur deswegen von sich geben, weil zu jener Zeit niemand, außer den Juden und deren Proselyten, die Bibel auch nur dem Namen nach kannte. Heutzutage kann so etwas nicht passieren, weil jeder im Stande ist durch bloßes Aufschlagen dieses Buches z. B. aus dem 3. Buch Mose Kap. 19 Verse 33 und 34*) Verleumdungen,, wie die des Taeitus, Lügen zu strafen. Was aber erst den echten Waschweiberklatsch anbetrifft, so lassen sich die Kinder der Neuzeit und gute Christen durch denselben nicht so leicht irrfuhren, wie die abergläubigen *) „Wenn ein Fremdling bei Tir in eurem Lande wohnen wird, den sollt ihr nicht . schinden. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Ägypterland. Ich bin der Her^ euer Gott.