Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 148 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer sollte sich damals auch die Mühe nehmen, auf die Quellen des Christentums zurückzugehen, um aus ihnen nachzuweisen, daß diese Religion das Blutvergießen im Allgemeinen und das Kinderschlachten oder -Zerreißen im Besondern verabscheut und jedem A-berglauben abhold ist? Deswegen hatten die giftgeschwollenen Waschweiber damals leichtes Spiel, ja sie wurden sogar mit der Zeit zu geschichtlichen Autoritäten, wie wir durch einige Proben ans Tacitus' hochinteressanten Berichten über die Herkunft der Juden und das Wesen ihrer Religion beweisen wollen. Da heißt es in den Histoüen Buch 5 Kap. 2: „Die Juden, erzählt man, hätten, aus der Insel Kreta veggeflohen, sich auf den äußersten Punkten Libyens zu der Zeit niedergelassen, wo Saturnns, durch Jupiters Gewalt entthront, sein Reich aufgegeben habe. Den Beweis dafür sucht man im Namen: auch Kreta sei der berühmte Berg Jda; die Jdäer, dessen Bewohner, würden vermöge einer barbarischen Dehnung des Namens Judäer genannt." Im Kap. 3 fährt er fort „die meisten Quellenschriftsteller sind darin einstimmig, daß bei einer in Ägypten ausgebrochenen, ekelhaften Krankheit.(Krätze), der König Bochoris beim Orakel Hammons Abhilfe gesucht und die Weisung erhalten habe, sein Reich zu säubern und diese (die Juden) als ein den Göttern verhaßtes Geschlecht auszuweisen." In der Wüste seien sie dann, von Äurst gequält, durch ein Rudel wilder Esel auf eine Wasserquelle aufmerksam gemacht und so Dank dieser Tiere vom Untergänge gerettet worden. Weiter Kap. 4: Um des Volkes für immer gewiß zu sein, gab Moyses demselben eine neue, der übrigen Welt entgegengesetzte Ordnung: was bei uns heilig, das ist dort Alles unwert geächtet und hinwiederum bei ihnen erlaubt, was für uns unrein ist. Das Bild des Tieres, das ihnen zum Wegweiser in der Wüste geworden, stellten sie zur Verehrung im Heiligtum aus. während sie den Widder schlachteten zu Hammons Unehren. Das Schwein essen sie nicht al^ schuldig an dem Unheil, womit die Krätze sie vor Zeiten geschändet hatte, was eine Krankheit des Tieres ist." Es folgen in demselben Geiste gehaltene Erklärungen für die vielen jüdischen Fasttage, für die Saöathfeier als Tag und als Jahr, nachher fährt er im Kap. 5 fort: Diese Ordnungen, wie immer hereingebracht, haben ihre Berechtigung durch hohes Altertum; die anderen Gewohnheiten, verkehrt, abscheulich, sind durch ihre Unnatur stark geworden. „Denn" (dieses denn als Begründung dieses Satzes ist entschieden als historisches Dokument judenfeindlicher Polemik unbezahlbar) „es haben verworfene Menschen (unter den Römern) sich vom Glauben ihrer Väter losgesagt, um Steuer und Gaben dorthin (nach Jerusalem) zu tragen, wodurch die Juden zu Kräften kamen; auch weil sie unter sich mit Eigensinn znsammenhalten und bereitwillige Teilnahme, dagegen entschieden feindseliger Haß gegen alles Andere, vorhanden ist." . . „Die Seelen derer, welche im Gefechte umkommen, halten sie für unsterblich; daraus erwächst Neigung zum Kiüberzeuge n und Todesverachtung." .. „Die Ägypter beten gar viele Tiere und Bilder an; die Juden aber denken sich nur im Geiste und ein einziges göttliches