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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-06-01 · Heft 6 (1.6.1903) · p. Seite 142

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 6 (1.6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 142 (sequence 25)
Language
German
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142 herrische Streme vielfach verletzend gewirkt; auch kleinlich und knickerig erwies sich der über Milliönen gebietende Kirchenfürst. Aber was man sonst bei einem Grafen oder Fürsten stamm ertragen hätte, wurde dem bürgerlichen Parvenü und Judensprossen arg verübelt, und so entstand die Bewegung, welche zu einer förmlichen Revolte gegen j das Haupt der altberühmten Olmützer Diözese geführt hat. Die gab den letzten Anstoß dazu. Ein Anonymus brachte im Olmützer von Artikeln, die dem Erzbischof grausam die Wahrheit sagten, höchste Erregung, zog den Verantwortlichen vors Gericht, fahn- „Rectus-Affäre's „Pozor" eine Reihe Dr. Kohn gertejt in folgungswut scheint durch eine kollegiale peccavi gestanjrnelt bete nach dem Artmelschreiber und sperrte Berdächtige ein. Eine förmliche Verüber ihn gekommen Der Autor der Artikel ist mittlerweile Denunziation bekannt geworden; er hat auch schon sein pater und man will wissen, der Erzbischof werde ihm jetzt gnädig verzeihen. Ein- Nebenumstand, der Mißbrauch des Telegramnlgeheimnisses, ist zum Anlaß eines Dringlrchkeitsantrages gemacht worden, den der jungtschechische Abgeordnete Dr. Stranks, selber ein Judenstämmling, im Abgeordnetenhause einbrachte. Die geistlichen Mitglieder des Hauses, welche Tags vorher eine Konferenz mit dem päpstlichen Nuntius über ihr Verhalten batten, schlugen sich schweigend in die Büsche. Nur der christlich-soziale Pater Scheicher benützte die Gelegenheit, um den niederen Klerus gegen den hihen zu Hetzen. Die Erzählungen des sozialdemokratischen Abgeordneten Schuhmner über einige Versolgungsakte des Erzbischofs Kohn wurden von den Alldeytscheu sinnig mit dem Ruf „Los von Kohn, los von Rom" begleitet. Dabei vergessen die Alldeutschen, daß in Rom selbst die rassen-antisemitische Theorie gegen Kohn obsiegt, denn ihr ist es wohl zuzuschreiben, daß der im Jahre 1892 erwählte Olmützer Erzbischof bis auf den heutigen Tag das Kardinalsbarett nicht erreichen konnte. Der Erzbischof weilt jetzt zur Ordnung der Verhältnisse seit einiger Zeit in Rom. — Der ungarische Unterrichtsminister Wlassics hat die Einladung des Szegediner Oberrabbiners zur Einweihung der dortigen neuen Synagoge mit einem Schreiben an den Oberrabbiner Immanuel Löw beantwortet, in welchem er sagt: .,Jch weiß wohl, daß Sie in diesem reuen Heim Ihrer Religion neben der Frömmigkeit auch die patriotischen Ideen pflegen und verherrlichen werden. Die Szegediner war die erste jüdische Gemeinde, in welcher ungarischer Gottesdienst gehalten wurde, weil die wackere Szegediner Judenschaft eingesehen hat, daß die süßen Laute der vaterländischen Sprache den religiösen Charcikter und die Erhabenheit des Gottesdienstes nicht stören können und daß anderseits die Synagoge durch Pflege des nationalen Geistes zu einem mächtigen Faktor werden kann. Euer Ehrwürden gebührt ein großer Teil daran, daß von der Kanzel der Szegediner Synagoge patriotischer Geist verbreitet wird. Es ist auch nicht anders zu erwarten von dem Sohne jenes berühmten Vaters Leopold Löw, dessen ehrwürdiger Sohn Euer Ehrwürden sind, und ich kann mich aus meinen in Nagy-Kanizsa verbrachten Kinderjahren daran erinnern, wie lebhaft das Andenken an Ihren verwigten Vater, her ehedem dort Seelsorger war, sich er-

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