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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-06-01 · Heft 6 (1.6.1903) · p. Seite 141

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 6 (1.6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 141 (sequence 24)
Language
German
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Wittenbergs, die erste ist, die hier geschlossen worden ist. Ob vor 1440 hier israel. Religionsübungen stattgefunden haben, darüber haben wir keine Nachricht. Feststeht aber, daß seit diesem Jahre keine stattgesunden haben, da von 1440 bis zum Jahre 1867 kein Israelit daselbst gewohnt hat. Am Anfang des 14. Jahrhunderts waren die Juden in Wittenberg sehr zahlreich. Im Jahre 1304 wurden sie durch Herzog Rudolf I. ausgewiesen Sie kehrten aber bald wieder zurück und als sie im Jahre 1440 auf Veranlassung der Kurfürstin Margarethe von deren Gemahl, Friedrich dem Sanftmütigen, znm 2 male vertrieben wurden, da geschah dieses mit dem Zusatz auf „ewige Zeiten". Diese ewige Zeiten haben vorgehalten, bis sie am 1. 11. 1867 durch das Freizügigkeitsgesetz beendet wurden. Nun siedelte sich ein Israelit nach dem andern an, bis ihre Zahl jetzt auf ca. 40 Seelen in 12 Haushaltungen gestiegen ist. Die ansässigen Juden sind der Synagogengemeinde Halle zugeteilt, wohin sie auch ihre Kultusabgaben entrichten. Da die Zahl der erwachsenen Juden für die Bildung einer Religionsgemeinde noch zu klein, aber stark genug zu gemeinschaftlichen Religionsübungen ist, halten sie solche jetzt ab, und machten damit am 26. 9 1897, dem israelitischen Neujahrstag, den Anfang. — In Kerlin feierte der um die Wissenschaft des Judentums hochverdiente Gelehrte Herr Dr. Adolf /Kerlmer unter Teilnahme weiterer Kreise seinen sechzigsten Geburtstag. Er wurde aus diesem Anlasse zum Professor ernannt. Möge es ihm vergönnt sein noch/lange im Dienste der jüdischen Wissenschaft segensreich zu wirken. Auch ist aus diesem Anlasse eine Festschrift erschienen mit sehr wertvollen Aufsätzen seiner zahlreichen gelehrten Freunde im In- und Auslande. — In Österreich erlebt mau jetzt merkwürdige Dinge. Daselbst ist gegenwärtig ein Erzbischof der Angriffspunkt einer feindlichen Bewegung, die Geistliche und Weltliche ergriffen hat und bis zum parlamentischen Sturm gediehen ist. Dieses Privilegium hat der Hirte der Olmützer Diözese dem Umstande zu danken, daß er auf den nicht ungewöhnlichen Namen Kohn hört. Als nach dem Tode des Kardinals Fürstenberg die Wahl des Olmützer Kapitels auf den Kanonikus Tr. Theodor Kohn fiel, ging ein Gruseln durch die erlauchten Reihen. Im Olmützer Erzbistum hatte man bis dahin viel auf Ahnenstolz gehalten. Nur den Eifersüchteleien der Hochgeborenen hatte der einstige Liebling des Kardinals Fürstenberg seine überraschende Erhebung auf den Bischofsstuhl zu danken. Aber als das Wunderbare geschehen war, regte sich der Ärger. Dr. Theodor Kohn gilt als ein bedeutender Gelehrter, auch als ein streng rechtlicher, von seinem Priesterberufe ganz erfüllter Charakter; aber er ist — wie schon der kühn beibehaltene Name beweist — ein Judenstämmling; sein Großvater war jüdischen Ursprungs, und die Neukatholiken sind im Gegensatz zur Übung früherer Jahrhunderte in diesem Punkt sehr widerhaarig. Dazu kommt, daß unter dem Regime des Grafen Fürstenberg sich zahlreiche Mißbräuche eingeschlichen hatten, deren Abstellung der neue Bischof mit freilich allzu hitzigem Eifer betrieb. Ohne Zweifel hat Dr. Kohn, den plötzlich ein ungeheures Machtbewußtsein überkam, durch

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