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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-06-01 · Heft 6 (1.6.1903) · p. Seite 143

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 6 (1.6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 143 (sequence 26)
Language
German
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143 halten hat, Ihren Vater, der ebenso eifrig der Religion und der religiösen Literatur gedient, wie er ein treuer Sohn des ungarischen Vaterlandes war". Der Minister teilte schließlich mit, daß er mit seiner Vertretung an dem Feste den Obergespan der Stadt Szegedin betraut hat und daß er Gottes Segen auf den neuen Tempel und auf die Szegediner patriotische jüdische Gemeinde herabflehe. Weferate und Mitteilungen. Lieder der Ghetto von Moris Rosenfeld. Autor. Übersetzung aus dem Jüdischen von Berthold Feiwel mit Zeichnungen von E. M. Lilien. Zweites Tausend. Verlag von S. Calvary u. Co., Berlin NW., 7. Es ist das erste Mat, daß der Versuch gemacht wurde, Lieder in der Jargonsprache gedichtet, durch Übertragung in's Deutsche der Weltliteratur einzufügen, um die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf Blumen zu lenken, die im Verborgenen blühen. Vielen ist das Ghetto ein unbekannter Begriff geworden, da es aus dem Kreise ihrer Anschauungen gebannt ist, aber es lebt und leibt doch in erschreckender Gestalt und umschließt den größten Teil der Juden, die in Elend schmachten und ein trauriges, lichtloses Leben voll Leiden und Entsagung, wie eine schwere Last Hinschleppen, die nach Menschenliebe lechzen und stets von Haß umstürmt sind. Unter diesen armen Menschen des Ghetto, für sie und in ihrer Sprache sang Moris Rosenfeld, seine Lieder, der über sich selbst schreibt: Ich bin geboren am 25. November 1802 in dem kleinen Städtchen Bokscha in Russisch-Polen. Mein Großvater, mein Vater, alle die zu unserer Familie gehörten waren Fischerleute. Die kleine Stadt liegt in einer lieblichen Gegend zwischen Wald und See. Ich war noch ein Kind, als meine Ettern nach Warschau fliehen mußten. Man schickte mich zum Cheder und ich lernte, dort Talmud und ein wenig polnisch und deutsch. Mit 18 Jahren heiratete ich und ging nach Holland, wo ich durch 6 Monate die Diamantschleiferei lernte und betrieb. Von dort zog ich nach England. Hier arbeitete ich durch drei Jahre in den Sweat-Shops von London. Ich fuhr dann nach Amerika, wo ich bis zum heutigen Tage verblieb. In den dumpfen, finsteren Sweat-Shops von New-Dork war es, wo ich singen lernte von Unterdrückung, Leid und Elend, bei Tage arbeitete ich, nachts schrieb ich meine Gedichte. Die Werkstatt zerrüttete meine Gesundheit und ich mußte die Arbeit an der Maschine aufgeben Ich waudte mich der Journalistik zu und war durch einige Jahre Mitarbeiter der bedeutendsten amerikanisch-jüdischen Blätter. Es ging mir erst besser als die Sammlung meiner Lieder „Songs trom the Ghetto“ herauskam (1898,

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