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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-06-01 · Heft 6 (1.6.1903) · p. Seite 140

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 6 (1.6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 140 (sequence 23)
Language
German
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140 Monatsschau. Der Franfurt^r Stadtbibliothek ist, wie uns der Direktor derselben Professor Ebrarb mitteilt, die Erwerbung der hervorragenden Abraham Merzbacherichen in München gelungen. Die, erforderlichen bedeutenden Mittel von Gönnern der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt. Die Bibliothek enthält etwa 150 Handschriften, darunter an zwanzig Pergamenthandschriften, zum Teil ans dem 13. und 14. Jahrhundert, von welchen mehrere künstlerisch ausgeführt und mit Malereien versehen sind; ferner 42 sog. Inkunabeln oder Wiegendrucke (in der Zeit vor 1500 gedruckt) und eine fast vollstäudige Sammlung aller Talmud-Ausgaben und Responsen-Werke; im Ganzen umfaßt sie etwa 6000 Bände, rundem diese wertvolle Sammlung den früher gleichfalls meist durch Schenkung erworbenen Bibliotheken Fuld, Brüll, Berliner und von Rothschild hebräischen Bibliothek wurden ausschließlich hinzutritt, nimmt die überhanpt den ersten haltene hebräischem In rabbiner Dr. Baßfre menschlichen Knochen Hebraica- und Judaiea-Bibliothek unsrer Stadtbibliothek jetzt Äang auf dem Kontinent ein. — Bei den Kanal-Ausschachtungsarbeiten auf dein Viehmarktplatz in Arier hat man in einer Tiefe von 21/« bis 3 Meter Bruchstücke von jüdischen Grabsteinen bloßgelegt, wovon zwei guter- Ichriften tragen. Das Alter der Steine wird von dem Obermnd auf 532 Jahre (1371) geschätzt. Bis jetzt sind keine gefunden worden, doch ist es nicht unwahrscheinlich, daß man es hier dennoch mit ftner alten jüdischen Begräbnisstätte zu tun hat. Der Platz stößt nämlich mit seiger ganzen Ostseite an die Jüdemer Straße, verstümmelt aus Judenmauer, die offenbar das Ghetto von Trier war. Da liegt es denn nun nahe, daß die Juden ihre ^oten unmittelbar hinter der Mauer zur ewigen Ruhe gebettet haben; als dann spä ler auf der Nordseite des Viehmarktplatzes eiu Kapuzinerkloster (das jetzige Theater) errichtet wurde, .hatte inan die anstoßende jüdische Begräbnisstätte zu dem ehemaligen Kapuzinergarten umgewandelt. Die Steindenkmäler wurden in das Museum gebracht. — In München starb der Kunstmaler Salomon Hirschfelder. Be cheiden und einfach, wie er gelebt, war das Leichenbegängnis; nur ein kleiner Kreis von Freunden und Bekannten folgte dem schmucklosen Sarge zum Grabe. Rabbiner Dr. Werner schilderte in knappen Zügen die künstlerische Bedeutung des Verstorbenen: „Seinen ganzen Lebensinhalt bildete die Kunst, eine Kunst, die unter Tränen lächelt, und sie bildete das, Gegengewicht zu seinen Leiden und Entbehrungen; in ih: fand er Trost, Frieden und reichen Segen." — Auf dem Standesamt zu Wittenberg wurde am 26. April eine israelitische Ehe zwischen Frl> Margarethe Backhaus von dort und dem Kaufmann Max Michaelis aus Cöthen geschlossen imb bjaraujf in Muths Hotel „zur Reichspost" durch den Rabbiner Dr. Feßler aus Halle ei-ngesegnet. Diese israelitische Trauung hat insofern kulturelle Bedeutung, als es seit miudesteus 463 Jahren, vielleicht auch seit der Gründung

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