Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 139 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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139 bin Eseltreiber." — Das Geschäft der Esel- und Kameeltreiber, bezw. Vermieter,, sowie der Töpfer, Hirten und Krämer war in jener Zeit wegen .der dabei vorkommenden Unreelitäten verrufen. — „Hast du je irgend etwas Gutes getan?" — „Ich vermietete einst meinen Esel einer armen Frau. Als ich Tränen in ihren Augen sah, fragte ich sie nach dem Grunde. --Da erzählte sie, ihr Mann sei in Gefangenschaft geraten, und da bleibe ihr, um ihn loszukaufen, Nichts übrig, als zu sündigen. Da verkaufte ich meinen Esel, gab ihr den Erlös und sprach zu ihr: Geh' befreie deinen Mann ohne Sündensokd." - Du allein bist würdig — sprachen hierauf die Weisen — für uns zu beten. Als ein strahlendes Gestirn der Toleranz, der Geduld und Sanftmut leuchtet H i l l e l am Himmel des Talmud. Bekannt ist, was er jenem Heiden erwiderte, als er von ihm den Inhalt des Judentums in der kurzen Zeit, als er auf einem Fuße stehen könne, erfahren wollte: ,,Was dir unangenehm, tue auch deinem Nächsten nicht." *) Auch das ist bekannt, wie einst ein Mann eine hohe Wettsumme verlor, weil es ihm nicht gelang, den Patriarchen aus der Fassung zu bringen. Hillel. war gerade mit den letzten Vorbereitungen zum Sabbath beschäftigt, da stürmt ein Mann herein und ruft: Hillel, Hillel, ich habe eine wichtige Frage an dich. „Warum sind die Köpfe der Babylonier länglich?" Da hast du allerdings eine große Frage gestellt, erwidert Hillel; weil sie keine geschickten Ammen haben. Der Mann geht, kommt aber nach einer Weile wieder und will die weitere „große'' Frage beantwortet haben, warum die Augen der Parumditen schwach seien? „Deine Frage ist berechtigt, mein Sohn," bedeutet ihm Hillel sanft, „weil sie in sandigen Gegenden wohnen." Nach einer Weile scheucht ihn der Zudringliche wieder mit einer, wie er vorgibt, „wichtigen Frage" ans: Warum sind die Füße der Afrikaner breit? Wieder, bedeutet ihm der unbesiegbare Hillel, willst du über etwas wirklich Bemerkenswertes Aufschluß haben: ,,Weil sie barfuß gehen." Ich hätte, spricht nun der Unverschämte, noch manche große Frage an dich zu stellen, aber ich fürchte, dich zu erzürnen. O, erwidert Hillel, frage nur weiter, mein Sohn, wie sollte ich dir zürnen? Verzweifelt geht nun der Mann mit der verlorenen Wette von dannen. (Sabb. 31.) . Nicht auf seinen Empfindungen gegen Jemand zu bestehen, gilt dem Talmud als Bedingung für den Anspruch auf die Gnade Gottes. Rab Huna war einst sterbenskrank und galt sogar schon als hingeschieden. Jedoch, er genas, und als man ihn fragte, was er denn von der andern Welt, zu berichten wisse, antwortete er: Ich habe eine Stimme gehört sprechend: Huna's Zeit ist wohl schon abgelaufen; aber er bestand nie auf seinen Empfindungen gegen seine Mitmenschen, so wollen auch wir es nicht so genau mit ihm nehmen, l Rösch. Hahs. 17.) (Schluß folgt.) *) Es ist die negative Jassung des im 3. Buche Moses Cap. 19, 13 positiv ausgesprochenen Gebotes: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."