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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-06-01 · Heft 6 (1.6.1903) · p. Seite 134

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 6 (1.6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 134 (sequence 17)
Language
German
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134 ihm mein Knie beugen. Und weswegen? Weil seine innere Erkenntnis die zwingende Ursache und der inner : Beweggrund zu seiner Selbstaufopferung war. Aus diesem Grunde können wir auf unsere Literaten der Sechziger- und Siebzigerjahre wie mtf kurzsichtige Menschen schauen. Als sie sahen, daß unsere frommen Dunkelmänner ihr Glück und ihr Leben ihren Idealen opferten, belachten und bespöttelten oder schändeten und erbitterten sie sich über sie. Sie verstanden nicht, daß es nicht die Sache ist, um derentwillen man Opfer bringt, sondern die innere moralische Erkenntnis, die dem Menschen eine derartige gewaltige geistige Kraft verleiht, alles, für einen ihm erhabenen Gedanken, zu leiden. Die innere Erkenntnis — der Ausfluß der Weltanschauung — und das mit ihr in der Tat übereinstimmende Handeln, machen den Menschen moralisch. Vom moralischen Gesichtspunkte aus, bleibt es einerlei, welche Weltanschauung man besitzt, — wenn man nur von berfetben ganz durchdrungen und ausgefüllt ist und in allem mit ihr übereinstimmend handelt. Wir können daher mit Bestimmtheit behaupten, das; ein moralisch unvollkommeier Mensch ein ganzes und umfassendes System nicht schaffen kann. Denn „unmoralisch", können wir nur einen Menschen nennen, den seine Eigenliebe ganz ausfüllt, und es daher unmöglich ist, daß ihn eine abstrakte Idee ausfüllen sollte. Ein derartiger Mensch sucht nicht die Wahrheit mit seiner ganzen Seele und daher findet er sie auch nicht. Außerdem, wenn ein unmoralischer Mensch ein Moralsystcm schafft, entstammt es ja nicht seinem Innern: es ist auf Lüge gebaut und die Lüge hat keinen Grund. Und wenn das System gleich seinem Schöpfer unmoralisch wäre, dann wird es nicht alle Lebensseiten umfassen. Nun, da nur die Morallehre der jüdischen Propheten bei allen Kulturvölkern angenommen und verbreitet wurde, ist es ein Beweis, daß sie eine Notwendigkeit war. Folglich wird dieses System, welches sich zu dieser Morallehre gegnerisch verhält, untergehen, oder Verbesserungen und Veränderungen bedürfen. Einen dem letzter« ähnlichen Fall erfuhren wir bei Darwins System, welches in der letzten Zeit zu nner vollständigen Weltanschanschauuug wurde. Es gründet sich bekanntlich auf dem durch die natürliche Zuchtwahl und den „Kamps ums Dasein" bedingten Entwickelungs» und Vervollkommnungsgesetz. Dieses System mit seinem Wahlspruch: „Seid fruchtbar und mehret euch; die Starken sollen leben und die Schwachen untergehen!" sollte zum Systeme des „Übermenschen" — die „blonde Bestie", für die die ganze Menschenheerde geschaffen wurde — führen. Jedoch, wenn der größte Anhänger Darwins, oder richtiger, des Darwinismus nach seiner späteren Entwickelung, Herbert Spencer, diesem erbarmungslosen Systeme neue moralische Grundsätze, dank denen die natürliche Wirkung des grausamen „Kampfes ums Dasein" geschwächt wird, hinzufügte, war es eine Notwendigkeit. Ursprünglich lvendete Darwin sein System nur auf die Naturwiffenschaften an, aus die physische Entwickelung der Lebewesen, bei denen keine höhere Erkenntnis, das Resultat des Gedankens und der Logik vorhanden ist und daher die Eutwickelungs-

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