Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 129 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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129 oder es liege an lokalen und provinziellen Gründen- Das Interesse werde aber erkalten, wenn nicht Mittel gefunden würden, den Mitgliedern Neues Dauerndes zu bieten. Dazu gehöre, daß den Mitgliedern auch im Sommer Gelegenheit gegeben werde, an den Vereinen Anteil zu nehmen, z. B. durch Lektüre, deshalb sei die Veranstaltung von Diskussionsabenden und vor allem die Einrichtung von Fortbildungskursen durchaus notwendig. Hierdurch sei es nur möglich, das Interesse zu beleben und zu erhöhen. In unmittelbarem Anschluß daran spricht Rabbiner Dr. Samuel-Essen in übersichtlicher Darstellung über die Einrichtung von Fortbildungskursen, über die Notwendigkeit ihrer Begründung, über deren zweckmäßige Ausge-' staltung und über die Erfahrungen, die Redner bei der bereits in Essen bestehenden Einrichtung gemacht hat. Der Referent hob besonders hervor, daß die Vorträge in den Vereinen kein geschlossenes Ganzes bieten können; die Fortbildungskurse seien berufen, die Lücken, die der Religionsunterricht gelassen, auszusüllen, besonders bei den Schülern der Volks- und Mittelschulen. Daneben dürfe die allgemeine Ausbildung der jungen Leute nicht vernachlässigt werden, jüdisches Geistesleben müsse in weitestem Sinne gepflegt werden. Auch der Zeitströmung könne in den Fortbildungskursen Rechnung getragen werden. Zweckmäßig sei die Einteilung des Unter richts in: Referat, Zeitungsschau, gesellige Unterhaltung, Fragebeantwortung. Mit Diskussionen im Anschluß an das Referat seien in Essen im allgemeinen schlechte Erfahrungen gemacht worden. Die Mitglieder müssen zur Selbstarbeit herangezogen und veranlaßt werden, ein Subkomitee des Literaturvereins zu bilden. Die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen verdichteten sich zu folgenden Anträgen, deren Annahme einstimmig zum Beschluß erhoben wird: 1. Der Verband jüdischer Literaturvereine legt den Vereinen nahe, ihre Tätigkeit in der Richtung der Fortbildung junger Leute (Damen und Herren) durch besondere Veranstaltungen (Fortbildungskurse) auszudehnen. 2. Diese Kurse sollen die gesamte jüdische Geschichte und Literatur sowie Religionsentwicklung nach abgeschlossenen Zeitepochen bezw. unter sonstigen Gesichtspunkten umfassen und in fortlaufenden Vorträgen. Referate nrc behandeln. Sie sollen vornehmlich der Erweiterung und Vertiefung jüdischen Wissens dienen, können aber ihre Ergänzung zugleich in der Pflege jüdischen Geisteslebens und allgemeiner Bildung überhaupt durch Behandlung jüdischer Zeitfragen und durch künstlerisch gehobene Unterhaltung und edle Geselligkeit finden. 3. Die nähere Einrichtung und Ausgestaltung wird den örtlichen Verhältnissen angepaßt. Es kann an bestehende Organisationen auch außerhalb der Literaturvereine angeknüpft werden; doch sollen, wo irgend angängig, letzteren die Kurse als besonderen Zweig ihrer Tätigkeit betrachten und deren Leitung (unter entsprechender Mithilfe der jungen Leute selbst) in intellektueller und materieller Beziehung übernehmen. In kurzer präciser Form spricht darauf Redakteur Klausner-Berlin zur Frage des Wanderrednerfonds. Der Redner geht von den geringen Beitragsleiftungen der Vereine zum Verband aus und verurteilt den Standpunkt der Vereine, welche vom Verband etwas geboten haben wollten,