Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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127 2. Der Centralverband möge bei Entsendung von Wanderrednern auch die kleinen Gemeinden Westdeutschlands berücksichtigen; 3. Der Centralverband möge einen alljährlichen Geschäftsbericht herausgeben; 4. Der Centralverband möge dahin wirken, daß möglichst sämtliche Literaturvereine eine Bibliothek unter Mitwirkung des Gemeindevorstandes einrichten; 5. Die Centralleitung möge den einzelnen Literaturvereinen von Neuerscheinungen Kenntnis verschaffen und durch gemeinsamen Bezug eine Verbilligung der betreffenden Werke herbeizuführen suchen", werden in weit kürzerer Zeit erledigt. Antrag 2 wird auf Anregung von Dr. Karpeles fallen gelassen, weil Westdeutschland bereits in diesem Winter berücksichtigt ist. Antrag 3, welcher sich übrigens mit dem zweiten Thorner Antrag vollständig deckt, wird debattelos angenommen, Antrag 4 ebenfalls nach kurzer Befürwortung durch die Herren Hähnlein-Bochum und Sichel-Cassel. Herr Treuenfels-Stettin hält es für wichtiger, daß die Literatnrvereine darauf hinlvirken, daß Gemeindebibliotheken, mit. denen Archive zu verbinden seien, errichtet werden. Punkt 5 wird von der Verbandsleitung auch fernerhin, wie bisher, veranlaßt werden. Mit dem Beschluß, den ersten Antrag Thorn, „nach geeigneten Mitteln zu suchen, um das Interesse für die Bestrebungen der Literaturvereine, welches in letzter Zeit zu erkalten scheint, wieder zu beleben", mit Punkt 1 der Nachmittagskonferenz zu verbinden, ist die Tagesordnung erschöpft. An diese Versammlung schloß sich nachmittags eine Konferenz sämtlicher Literaturvereine in Deutschland an, welcher ebenfalls Justizrat Basch präsidierte. Auch hier war die Beteiligung eine lebhafte. Namens des Berliner Gemeindevorstandes hieß Sanitätsrat Dr. Stern die Versammlung herzlich willkommen und gab die Versicherung ab, daß der Gemeindevorstand den Bestrebungen der Vereine nach wie vor mit vollster Sympathie gegenüberstehe und an den Arbeiten und stetig wachsenden Erfolgen lebhaften Anteil nehme. Er sprach den Wunsch aus, daß den Vereinen, die, wenn auch schwierige aber dankbare Aufgabe gelingen möge, in immer weitere Kreise die Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur zu tragen, dadurch das Selbstbewußtsein und die Selbstschätzung der Glaubensgenossen zu heben und dadurch mitzuwirken an dem idealsten Ziele, daß die künftige Generation'stolz und tapfer gegen die Angriffe auf ihren Glauben sich zu wehren wisse, daß sie sich dessen erinnere, daß auch die Juden rine große Geschichte und eine glorreiche Vergangenheit haben und überein herrliches Schrifttum verfügen, das der Born sei, der nie versiege. Er gab unter lebhaftem Beifall der Hoffnung Ausdruck, daß die Führer der Vereine für ihre unermüdliche und selbstlose Tätigkeit den Lohn darin finden mögen die ausgestreute Saat bald zu üppiger Blütenpracht und zu reifer Frucht sich entwickeln zu sehen. Dr. Karpeles dankte für die herzlichen Worte und wies darauf hin, das die Berliner Gemeinde, die größte in der Judenheit, auch insofern tonangebend gewesen sei, als sie zuerst die Bedeutung der Literaturvereine erkannt und