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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-05-01 · Heft 5 (1.5.1903) · p. Seite 113

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 5 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 113 (sequence 19)
Language
German
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113 nötigen Achtung behandeln. Woraus der Blinde: Du hast Einen beschwichtigt, der gesehen wird, aber nicht sieht. Möge ebenso dich Er, der sieht, aber nicht gesehen wird, — Gott — liebreich erhören. Woher hast du das schone Wort? — fragte der Rabbi. Von jenem blinden Günstling R. Eliesers b. Jakob. Ein Blinder war nämlich einst ins'Lehrhaus des Rabbi gekommen. Da ließ ihn der Rabbi an dem ersten Sitze Platz nehmen, während er einen niederen Platz einnahm. Dadurch werde man — meinte der Rabbi. — den Blinden mit desto größerer Freundlichkeit behandeln. Als dies der Blinde erfuhr, sprach £r: Tu hast Liebe geübt gegen Einen, der gesehen wird, aber nickt sieht, möge dir zu Teil werden die Gnade dessen, der Alles sieht, aber von Niemand gesehen wird. (Jerusch. Schekalim 5, Pea 8.) Mar Ukba legte täglich einem in seiner Nachbarschaft wohnenden Armen heimlich eine Anzahl Münzen in eine Öffnung seiner Tür. Der Arme war begierig, seinen Wohltäter kennen zu lernen: es gelang ihm nicht. Eines Tages praßte er auf, und siehe da, der vom Lehrhause heimkommende Mar Ukba nähert sich seiner Tür, um ihm die übliche Gabe zu bescheeren. Der Arme will auf ihn zueilen, er aber flieht — der Arme verfolgt ihn, er aber flüchtet, um dem Verfolger zu entweichen, in einen Ofen und versengt sich dabei die Kniee. Warum alles dies? fragt der Talmud, dem solches Verfahren etwas übertrieben däucht. Weil die Weisen gelehrt haben: Lieber werfe sich der Mensch in einen glühenden Ofen, als daß er seinen Nächsten beschäme. (Kethub. 67.)*) Von dem genannten Mar Ukba werden noch folgende Züge erzählt. Er pflegte einem gewissen Armen an jedem Rüsttage des Versöhnungsfestes 400 Sus — ungefähr 260 Mk. — zu schicken. Einmal schickte er sie ihm durch seinen Sohn. Der aber kam wieder mit der Kunde: er habe auf dem Tische des Mannes die besten Weine augetroffeu: So, sagte Mar Ukba, der Mann ist offenbar von früheren Zeiten her an Besseres gewöhnt, bringe ihm das Doppelte! Als Mar Ukba sich dem Tode nahe fühlte, revidierte er sein Testament und fand die Summe von 7000 Gold-Denaren — ca. 109100 Mk., — die er zu Wobltätigkeitszwecken bestimmt hatte, zu gering, „Eine zu geringe Wegzehrung für eine so weite Reise!" sprach er, und bestimmte dafür die Hälfte seines Vermögens. Hatte nicht, fragt der Talmud, das Synheorin zu Uscha festgesetzt, daß man nicht mehr als höchstens ein Fünftel seines Vermögens zu wohltätigen Zwecken versckenke? Diese Begrenzung, unterscheidet der v) Wie ängstlich mau es damit nahm, daß der Nächste nicht beschämt wird, zeigt auch folgende Erzählung (Sanhedr. 11). Die für Festsetzung eines Schaltjahres bestimmte Behörde mußte aus eigens dazu designierten Gelehrten bestehen. Einst, unter dem Patriachate R. Gamadiels, waren statt der 7 Designierten 6 erschienen. Der Patriarch hieß den unbefugt Eingetrotenen sich wieder entfernen. Da bekannte sich Samuel als denjenigen, der ohne Berechtigung gekommen sei, er habe den Borgang kennen lernen und sich unterrichten wollen. Nun stellte sich aber später heraus, daß ein Anderer der unbefugt Eingetretenen war, Samuel aber dessen Beschämung verhindern wollte. Bgl. das. noch ähnliche Erzählungen.

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