Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 92 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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92 größeren jüdischen Gemeinde Deutschlands ist uns die Frage nahe gelegt worden, wie sich die löblicherl^Gemeindebehörden, bezüglich die ehrwürdigen Rabbinate zu der Angelegenheit der Feuerbestattung stellen? Der Gegenstand ist von so großer prinzipieller Wichtigkeit, und auch tatsächlich mehren die Fälle der Feuerbestattung sich derart, daß eine zrundsätzliche Entscheidung sich als wünschenswert, ja als notwendig herausstellt. Wir gestatten uns deshalb einen löblichen Vorstand zu bitten, er möge uns baldmöglichst über seine, bezw. des dortigen Rabbinats Stellung zu der Frage der Feuerbestattung Auskunft erteilen Lassen Sie eine religiöse Feier bei der Feuerbestattung zu? Findet die religiöse Feier vor oder nach der Verbrennung der Leiche statt? Wie und in welcher Form findet Beisetzung der Urne statt? Wir werden das Ergebnis unserer Rundfrage verhoffentlich zur Klärung der bedeutsamen Angelegenheit einen wichtigen Beitrag zu liefern im Stande sein. Hochachtungsvoll der Ausschuß des Deutsch-Israelit. Gemnndebundes: Prof. Dr. M. Philippson, geschäftsführender Vorsitzender. — Aus dem Nachlasse der verstorbenen Baronin v. Gohn Gppenheim sind der Stadt Dessau und der israelitischen Kulturgemeinde Vermächtnisse von un- /gefähr je 41/» Millionen Mark zugefallen. — Erzbischof Dr. Fischer in Köln hat auf Ihrem Friedhofe öffentlichen und damit den ersten Hirtenbrief Mitbürger nicht nur erlassen. Er ermahnt die Erzdiözesanen, die andersgläubigen zu dulden, sondern zu lieben und für sie zu beten. Es wäre geradezu ein an dem. deutschen Volke begangenes Verbrechen, wenn man durch gewissenlose Aufreizungen! den konfessionellen Haß schüren und den einen Volksteil wider den anderen verbittern und verhetzen und dadurch den einmal bestehenden Zwiespalt noch vergrößern und verschärfen würde. Der Hirtenbrief schließt mit der nochmaligen Aufforderung an die Erzdiözesanen, bei aller unentwegten katholischen Glaubenstreue stets lievevoll und verträglich gegen die andersgläubigen Mitbürger zu bleiben. — Man berichtet uns: Dem Herrn Rabbiner Dr. Seilbronn in Weikersheim, woselbst er 41 Jsthre seines Amtes waltete, wurden aus Anlaß seines Scheidens und Wegzuges nach Nürnberg viele ehrende Kundgebungen zu Teil, die von seinerungemein großen Beliebtheit Zeugnis ablegen Als ein Zeichen dankbarer Anerkennung seiner Verdien te um die Gemeinde, ivurde ihm ein kostbarer Pokal überreicht und an dem Bänkette nahmen auch Herr Stadtschultheiß Hammel, Herr Dekan Dr. Blind und Herr Stadtpfarrer Dürr Teil. Zum Schluß sagte der Herr Stadtschultheiß: Die israelitische Gemeinde hat durch Veranstaltung dieses Abends gezeigt, daß Dankbarkeit noch nicht ausgestorben ist, für unsere Gesamtgemcinde aber ist dieser Abschiedsabend ein Beweis, daß hier in Weikersheim weder konfessionelle noch Standesunterschiede gemacht werden, sondern daß ein Gefühl der Zusammengehörigkeit aste besseren Elemente beherrscht undgewiß ist vielen in dieser Beziehung aus dem Hefzen gesprochen gewesen, was Herr Rabbiner Dr. Heilbronn in seiner Rede ausfühifte: Warum sollen wir einander nicht in Liebe begegnen, wir sind ja alle Menschen und haben im Grunde genommen alle einen Glauben,