Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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88 an de Kinder." die Augen dankend aufgeschlagen und wieder bewegten sie Ich mußte das Geheimnis dieser Augen ergründen, ie heute für einen Glückstag?" fragte ich meinen Begleiter, habe ich verlobt . . Gute Partie, lieber freund . . . reizsnde Mädchen, das Wo waren ihre Kartenhäuser! Unbeng „Gott vergelt's Wieder sah ich mich so eigentümlich. „Was haüen Sn „Meine Tochter viel Geld " Mir gab diese Antwort einen Stich ins Herz. Seine Tochter, das süße, ich seit Jahren anbetete, das meine Liebe glühenh erwiderte?! Schwüre, ihre treuen Küsse . . . Pfui! Frauentreue und lam hatte das Gesetz ihrer Väter gesprochen. j Der Mann hatte gefreit, ob Lea ober Rachel, war ihm einerlei, wenn er nur biej buntscheckigen Lämmer bekam. Und sie hatte sofort gehorcht, ihre Neigung getötet, um deiß ungeliebten Manne und seinen Millionen die Hand zu reichen. l Ich zitterte, als ich über die Schwelle des Hauses trat, wo;id)-foie glücklichsten Stunden meines Lebens verbracht hatte. Mußte ich doch der Treulosen, der Elenden, die ohne Kampf ihre Liebe aufgegeben hatte, glückwünschend die Hand schütteln. Der Bräutigam war Gott sei Dank nickt anwesend. Ich reichte der Braut kalt die Hand und murnelte etwas von beste» Wünschen für die Ehe. Sie preßte meine Hand innig zwischen ihren weißen Fingern, ich sah auf. Nur ein Blick aus ihren blauen Augen traf mich, so beiß, so tränenschwer, so eigentümlich rätselhaft, liaß ich ewig werde daran denken müsse». Ganz unvermittelt kam mir der Blick des tollen Awrom in den Sinn. Jetzt verstand ich den alten Jude» an der Straßenecke. Entsagung hieß sein Blick! Entsagung! Ich erwiderte i ein Abschied für immer. Die Mutter zog bedeutsamen Lächeln: „Eine Lebensweisheit lernen Sie von mir, mein Freund, man kann auch lieben, ohne durch die Ehe dazu berechtigt zu sein. Seinem Manne treu sein, heißt nur ein Verhältnis haben . . - Sie verstehen mich. Man kann nicht jeden Mann heiraten, den man liebt, aber man kann dem geliebten Manne gehören, auch wenn man verheiratet ist." „Pfui," sagte ich, „das ist eine döse Moral, ich verachte die Frau, die danach handelt." Ich stand mit Ästentation auf, verbeugte mich und ging. Auf dem dunklen Korridor umfaßten mich zwei weiche Arme, ein warmer Mund preßte sich auf eit Händedruck der Braut warm ... Es war der letzte, mich in den üppig möblierten Salon und sagte mit einem