Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 87 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2969669-2969975-2969980--6895-2977563
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

87 R. Moses den Maimun durch sein Lebe» und Wirken ein Denkmal gesetzt hat, das, von Zeitstürmen unberührt, den Namen und die Taten deS jüdischen Weisen der fernsten Nachwelt ins Gedächtnis rufen wird! Der alte Awrom. Wo die Ostendstraße der ehrwürdigen Stadt Frankfurt auf die Promenade stößt, bemerkte ich seit einigen Jahren einen Betteljnden. Er war klein und sein Rücken stark gebeugt. Der lange, klebrige Rock, ein Geschenk wohltätiger Glaubensgenossen, schlotterte ihm bis auf die Kniee. Seine krummen Beine staken in faltigen abgeschabten Hosen, die aufgekrämpelt, ihr zerrissenes Futter über ein Paar stark mitgenommene Stiefel, mit schiefgelaufenen, englischen Absätzen fallen ließen. j Den Hut hatte der alte Awrom meist bettelnd in der Hand. Regen und Sonnenschein wechselten unerbittlich über den düuubehaarten schmutzigen Scheitel. Das Gesicht des Alten trug Spuren vergangener Schönheit, wenn sich auch heute schwarze Staubkrusten in die tief gegrabenen Falten gesetzt hatten. Der graue stoppeliche Bart, triefte von bräunlichem Speichel und in dem zahnlosen Munde stak ein stark zerkauter erloschener Zigarrenstummel. Schlug Awrom bei einer reichen Gabe — geringe betrachtete er als selbstverständlich — die großen braunen Augen dankend auf, so strahlte aus ihnen ein milder Blick dem Geber entgegen. Was schlummerte in der Tiefe dieser Seele, deren Spiegel so eigenartig glänzte? Wie zurückgedrängte Tränen schimmerte es in diesen schönen Augen. Es schnitt mir ins Herz, so oft ich dem Blick des Alten begegnete. Hundertmal wollte ich ihn anreden. ihn fragen nach dem Rätsel seiner Augen, aber ich, vermochte es nicht. Fürchtete ich doch ihm weh zu tun, hastig eilte ich an ihm vorüber, er nickte mir bekannt zu, denn wir sahen uns oft, mtb immer beschenkte ich ihn. Eines Tages ging ich mit dem Herrn eines mir befreundeten Hauses an Awrom vorüber. „Mer kann grateliere, Herr * * V sagte der alte Betteljude. „Ja Awrom, es ist heute ein Gliickstag für mich . Ein Goldstück glitt in den schmutzigen, verschwitzten Hut. nur mit banalen Phrasen „verschönte" Geschichtserläuterung ist kaum anders als ein geistiges testimonium paupertatis seines Verfassers. — Anderseits muß man freilich sich vor unbeweisbaren Übertreibungen in der Beurteilung Rambam's hüten: so ist Ioül's „Verhältnis Albert des Großen zu Maimonides". (Bresl. 1863) in mehreren wichtigen Punkten durch unangebrachte Überschätzungen der Einflußsphäre unseres Helden verfehlt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.