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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 85 (sequence 15)
Language
German
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85 christlichen Abendlcmbe zufolge mißverstandener Bibelstellen damals einem lebhaften Widerstande begegnetes) Ja, dieser bedeutendste Weise seiner Zeit zweifelte auch an der G ü l t i g k e i t des p t o l e m ä i s ch e n Weltsystems mit seiner verworrenen Epicyklentheorie, welche die Planeten auf der Peripherie eines nur geometrisch gedachten Kreises unterlaufen ließ, der sich gleichfalls ans der Peripherie eines anderen bewegte. Bür verdanken Moses ben Maimün die Bekanntschaft mit I b n Badja?) einem gelehrten Araber, der inmitten des krassen Scholasticismus und des Aristoteles-Götze ldienstes seiner Zeit, kühn an der Richtigkeit des antiken Weltsystems zu zweifeln wagte. Noch schärfer als Jbn Badja verwarf der Araber Jbn To feil die ptolem. Lehren, (cf. Munk l. c.) Ob Rambam wirklich Anhänger der Sphärentheocie des Nrikomachus war, die „den Teufel mit Beelzebub" vertrieb, dürfte noch zweifelhaft sein. Was Mose ben Chisdai aus Tachau — „ein unkritischer Zelot" — (cf. Mor. Steinschneider: „Abraham ibn Esra" in Heft 3 der Abhandg zur Gesch. der Mathem. 1880,) hierüber sagt, kann nicht immer ernst genommen werden. Rabbi Maimün war eben ein zu kritischer und feinsinniger Geist, uin durch vorzeitige Veröffentlichung beweisbarer Spekulationen über den Kosmos sein Forschertalent in Mißkredit zu bringen. Eine besondere Sorgfalt ließ R. Moses ben Maimün der Verbesserung des jüd. Kalenders angedeihen. Der Kalender war von jeher und bei allen Kulturvölkern das „Schmerzenskind" der Gelehrten und Priester, besonders aber bedurfte der jüd. Kalender fortwährender Korrektionen, denn in damaliger Zeit war von einer rechnerisch geregelten Neumonds-Bestimmung nichts zu spüren?) Sorgfältig 2) Bergt, u. a: Wackserbarth: Views of the Ancient Rabbies relative to the Dimension of the earth. j Monthly Xat. of the Roy. Astron. Soc. Bd. 23. — — Der Bischof Bergilius von Salzburg, ein Zeitgenosse des heil. Boiüsacius wurde beispielsweise disziplinarisch geahndet, weil er die Antipodenlehre vertrat. Weiteres hierüber bei S. Günther: Studien z. Gesch. der Math, und phys. Geogr. Halle 1877. 3) Ibn Badja, eigentlich Ahn Be kr Ibn al da vag wird von H. Suter: „Die Mathematiker und Astronomen der Araber". Lpzg. 1900 identifiziert (nur scheinbar?) mit Abbü Bekr el-Hasan b. el-Chasib. Über seine Lehren verbreitet sich Rambam an mehreren Stellen des „Führers". So meint er u. a, Ibn Badia habe gelehrt, die aristotelische Excentät dertrizi Sonnenbahn könnte durch die Annahme einer Neigung des Hauptkreises eines jeden Planeten beseitigt werden. Auch sonst tritt Ibn Badja scharf gegen die antiken kosmischen Theorien auf. — Sein Landsmann Kütiby er 1272) zeigt sich sogar völlig vertraut mit der helioten tri scheu Lehre des Avista rräi von Samos! (Bergt. Sprenger .,The Coplonican System of Astronomy among the Arabs.*c .luurn. of As. Soc. of Beng 25.; Zu bedauern ist nur, daß seit Sedillot's epochemachenden Forschungen in der arabischen Astronomie dies wichtige kulturhistorische Faktum ganz vernachlässigt ist. Erst neuerdings entsteht uns in H. Suter eine annehmbare Kapazität. 4) Vergl. u. a.: Schwarz: Der jüd. Kalender: Zeitschr. Breslau 1872 mit Rezension Slonimski's, deren Berechtigung S. Günther in seinen „Berm. Unters." oft — wenn auch, vorsichtig — anzweiselt. Zuckermann: „Das Mathem. im Talmud."

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